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3.3.2 Die Gender-Thematik im Kontext der
Gesellschaftstheorie
Ich möchte zunächst auf den Unterschied hinweisen, der im
englischen Sprachraum zwischen Sex und Gender gezogen wird. Sex
meint das biologisch festgelegte Geschlecht, Gender bezieht sich auf
die Geschlechtsrollenverhältnisse, d. h. die soziale Bestimmung von
Geschlecht, Sexualität und Geschlechterbeziehung. Mit Gender wird
der Prozess der Transformation des biologischen Geschlechts in
Rollen, Rollenbestimmungen, Rollenerwartungen in den Blickwinkel
gerückt. Gender lässt sich in diesem Sinne als ein
sozialwissenschaftliches Konstrukt hinsichtlich des sozialen und sozial
bestimmten Geschlechterverhältnisses verstehen. Im Konzept der
Lebenslage (5.2.1) wird Gender auch als psychosoziale Struktur
verstanden, die einer Person zugewiesen wird und sie zugleich in eine
Beziehung zu anderen Personen ihres sozialen Umfeldes und zu dem
sozialen Makrosystem setzt.
Wenn wir von Gender sprechen, müssen wir verschiedene
Theorieebenen einführen:
Die Rollentheorie, mit deren Hilfe die im soziokulturellen Bereich
der Gesellschaft verankerten Verhaltenserwartungen an die
Mütter-, Väter-, Eltern-, Kinder- und Männer-/Frauenrollen
bestimmbar sind. Das Konzept der Rollen muss auch einen
Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und
den an die Rollen geknüpften Verhaltenserwartungen
herstellen.
Die
Sozialisationstheorie,
damit
der
Prozess
der
Rollenübernahme (role taking) und Rollengestaltung (role
making) in der Kindheit/Jugend und die Weitergabe
gesellschaftlicher Rollenanforderungen durch die Eltern an ihre
Kinder nachgezeichnet werden kann.
Eine Kritische Theorie der Gesellschaft (Horkheimer 1970), die
folgenden Fragestellungen nachgeht: Wie viel persönlichen,
familiären, institutionellen Freiheitsspielraum gewährt eine
Gesellschaft, um Rollen nicht nur im Sinne einer rigiden