35 lines
2.1 KiB
Markdown
35 lines
2.1 KiB
Markdown
3.3.1 Das Modell im Überblick
|
||
Ich möchte das Konzept des Makrosystems zu einem
|
||
Viersektorenmodell der Gesellschaft erweitern, in dem Ökonomie,
|
||
Politik, Kultur und Wissenschaft/Technologie als Teilsysteme des
|
||
übergeordneten Systems Gesellschaft ihren Platz finden.
|
||
Bronfenbrenner (1978) identifiziert das Makrosystem primär mit
|
||
Kultur. Diese schafft aus sich selbst heraus Wertorientierungen und
|
||
Rollenbilder, die durch Sinn- und Bedeutungszuschreibung den in
|
||
anderen Systemebenen entstehenden Ereignissen und Erfahrungen
|
||
ihren Stempel aufdrücken. In dem von mir vorgestellten Modell ist
|
||
Kultur neben Ökonomie, Politik und Wissenschaft/Technologie nur
|
||
noch eines von vier gesellschaftlichen Teilsystemen.
|
||
Die Ökonomie hat in diesem Gesamtsystem den Status eines
|
||
gesellschaftlichen Ordners, d. h. eine Vorrangstellung. Allerdings
|
||
muss sofort eine Einschränkung formulierte werden: Hierarchische
|
||
Beziehungen sind immer auch Rückkoppelungsbeziehungen, in denen
|
||
wechselseitige Beeinflussungen stattfinden. Es setzen sich nicht nur
|
||
ökonomische Prinzipien als kulturelle Werte durch, sondern kulturelle
|
||
Werte nehmen auch Einfluss auf die Ökonomie; z. B. orientieren sich
|
||
auch privatwirtschaftlich geführte Betriebe an den grundlegenden
|
||
Werten unserer Kultur, die im Grundgesetz als rechtliche Normen
|
||
verankert sind.
|
||
Eine der drei Kontextperspektiven für die Beschreibung eines
|
||
Modells sozialer Systeme und der sozialen Wirklichkeit wurde unter
|
||
der Bezeichnung „Gesellschaft – Arbeit, Herrschaft und Sprache“
|
||
eingeführt (siehe 2.4.4.3). Das Konzept einer durch Arbeit, Herrschaft
|
||
und Sprache strukturierten Gesellschaft hat Jürgen Habermas im
|
||
Rahmen der „Kritischen Theorie“ formuliert (z. B. Habermas 1971,
|
||
1973). Durch die Einführung der Sprache wurde die Fixierung des
|
||
späten Marx und des „dialektischen Materialismus“ auf die Ökonomie
|
||
aufgehoben und der „symbolischen Produktivität“ des Menschen ein
|
||
gleichberechtigter Stellenwert im gesellschaftlichen Prozess
|
||
zuerkannt. Damit erhält der Bereich der Kultur seinen Platz im
|
||
Zentrum der Theoriebildung. Sie hat jetzt den Status eines
|