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Konstruktionen in alle Richtungen mit Handlungskonsequenzen für das „Hier und Jetzt“ möglich. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind also durch eine „kybernetische, selbstreflexive Schleife“ (ebd., S. 61) ineinander verwoben. Zentraler Punkt in dieser Schleifenbildung ist die Gegenwart als Zusammenschluss aller aktuellen Strukturen in der Situation des Augenblicks (Synchronie). In ihr wird die Vergangenheit retrospektiv noch einmal hergestellt; nicht objektiv, „wie sie war“, sondern unter der Perspektive gegenwärtiger Standpunkte und Interessen. Sie entsteht durch die konstruierte Beziehung zwischen einem „vorher“ und einem „nachher“ (Diachronie). Zukunft nehmen wir ebenfalls unter der Perspektive unseres gegenwärtigen Standortes als viele mögliche Zukünfte vorweg (Multichronie), also auch vor dem Hintergrund unserer gegenwärtig rekonstruierten Vergangenheit. Die gegenwärtige Vorwegnahme der Zukunft lässt sich auch als Feedback zwischen antizipierten Möglichkeiten und gegenwärtiger Reaktion beschreiben. Genauer formuliert, handelt es sich dann nicht um ein Feedback, sondern um ein „Feedforward“ (ebd., S. 90). Boscolo und Bertrando treffen eine Unterscheidung zwischen individueller, kultureller und sozialer Zeit. In allen drei Formen werden eigene Vorstellungen von der Zeit entwickelt.

Individuelle Zeit: Der einzelne Mensch erlebt seine individuelle Zeit als einen manchmal kontinuierlichen, manchmal diskontinuierlichen, mehr langsamen oder mehr schnellen, plötzlichen oder vorhersehbaren Wandel. Vor diesem Hintergrund gewinnt er sein Selbstverständnis als eher sprunghafter oder gleichmütiger, langsam oder schnell handelnder, kurzfristig oder langfristig planender Mensch. Treffen zwei Menschen aufeinander, verschränken sich ihre beiden Zeitperspektiven zu einer „dyadischen Interaktionszeit“ (Boscolo u. Bertrando 1994, S. 63). Dieses Zusammentreffen zweier Perspektiven kann Übereinstimmung und Beziehungsharmonie oder Konflikt und