2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/115.md

40 lines
2.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

geschlossenen System von Ideen zusammen Tradition entsteht. Sie
ist über zentrale handlungsleitende, handlungsbegründende und
Sinn stiftende Ideen im aktuellen System präsent und damit auch
mitverantwortlich für die Bildung familiärer Normen und Werte.
Im systemischen Modell der Realität wird Vergangenheit auch als
Diachronie bezeichnet. Damit wird eine Beziehung betont, in der
„vorher“ und „nachher“ prozesshaft miteinander verknüpft sind. Wird
durch diesen Vergleich ein Unterschied zwischen dem „vorher“ und
„nachher“ festgelegt, steht Veränderung und damit der Aspekt des
Zeitpfeiles im Vordergrund. Wird kein Unterschied gefunden, steht
die Stabilität und damit der Aspekt des Zeitkreises im Vordergrund.
„Diese zwei Standpunkte der eine statisch, der andere dynamisch
können versöhnt werden, weil Stabilität und Wandel Zeitpfeil und
Zeitkreis sich in der Familienzeit ergänzen“ (Boscolo u. Bertrando
1994, S. 90.).
Gegenwart wird als Synchronie verstanden. Damit wird die
Gleichzeitigkeit verschiedener Ereignisse betont, die in ihrer
zirkulären Verknüpfung eine abgegrenzte gegenwärtige Ganzheit,
also ein System, bilden.
Zukünftiges Handeln ist nicht allein durch Tradition und das Hier
und Jetzt determinierbar wenn wir menschliche und soziale
Systeme als nontrivial verstehen. Von der Zukunft her gedacht,
eröffnen sich in jeder gegenwärtigen Situation Freiheitsgrade für das
weitere Handeln und damit neue Optionen. Dank der
vorweggenommenen Zukunft werden auch neue Perspektiven auf
die Vergangenheit und damit auch das mit ihr durch Tradition
verknüpfte
gegenwärtige
Handeln
möglich.
In
der
Zukunftsdimension nehme ich die Zeit in der Zeit vorweg und kann
von dort aus mit vielen Perspektiven spielen. In diesem Sinne geht
es um die multichronische Dimension der Zeit.
Die systemische Beratung hat vor dem Hintergrund dieser Idee
das Konzept der hypothetischen Fragen entwickelt. Mit den
Sprachmustern des „Was wäre, wenn …?“, „Was wäre gewesen,
wenn …?“, „Was würde sein, wenn …?“ werden hypothetische