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2.4.3.2.3.5 Die flexible System-Kontext-Hierarchie
Was als untergeordnetes System oder übergeordneter Kontext
festgelegt wird, entscheiden Perspektive, Zeitpunkt und soziale
Situation, nicht aber die Beschaffenheit des Systems selbst.
Ich habe an anderer Stelle drei miteinander verbundene und
dennoch voneinander unterscheidbare Systembereiche beschrieben,
mit deren Hilfe der soziale Alltag systematisch beobachtet und
verstanden werden kann (Ritscher 1991). Ich nenne sie
Bedeutungssysteme (kulturelle Muster), soziale Systeme (Gesellschaft
und ihre Teilbereiche) und Subjektsysteme. Sie können je nach
aktueller Perspektive auf einer übergeordneten Ebene als Kontexte
oder auf einer untergeordneten Ebene als Systeme betrachtet
werden.
Beispiele: Geht es um eine Analyse der gegenwärtigen
Auswirkungen
historisch-gesellschaftlicher
Ereignisse
und
Entwicklungen
auf
persönliche
und
kollektive
Bedeutungszuschreibungen (z. B. der Folgen des Nationalsozialismus
für
politische
und
familiäre
Ideenbildungen),
wird
die
Gesamtgesellschaft zum übergeordneten Kontext für die Etablierung
von familiären Bedeutungen. Die Beschreibung von ökonomischen
Veränderungen als Folge von in der Moderne neu entstandenen
Rollenbildern
macht
dagegen
Bedeutungssysteme
zum
übergeordneten Kontext für ökonomische Systemprozesse. Wenn
hingegen die zunehmende Bewertung jeder sozialen Handlung unter
den Kriterien einer am Geld orientierten Wirtschaftlichkeit als Folge
der kapitalistischen Produktionsverhältnisse herausgearbeitet wird,
lässt sich die Ökonomie als übergeordneter Kontext des Sozialen
definieren.
Untergeordnete Systeme können so lange auf übergeordnete
Kontexte einwirken, bis sich die Verhältnisse umkehren. Um in
unserem Beispiel zu bleiben: Im sozialen Bereich könnten als Folge
des Vorranges der Ökonomie so viele soziale Konflikte entstehen,
dass die kulturell entwickelten Werte der Solidarität und ökologischen