2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/095.md

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politischen Sektors keine Anpassungsstrategien für globale ökonomisch-technologische Veränderungen und die Herausforderungen der parlamentarischen Demokratien entwickeln konnten. Da die Menschen von den aus dem Westen kommenden Informationen nicht vollständig abgeschnitten werden konnten und sich die innere ökonomische Krise durch Nichtanpassung verstärkte, zerbröckelte das innere politische System unter dem Druck von außen kommender Einflüsse. Sie wurden von Bürgerrechtsgruppen in der DDR-Gesellschaft aufgenommen, vor dem Hintergrund ihrer Wertesysteme weiterentwickelt und gegen die eigene Staatsmacht gewendet. Die Kombination von zentrifugalen und veränderungsorientierten Systemkräften erzeugt maximale Instabilität durch maximale Unsicherheit. Das Ausbrechen der Elemente des Systems verbindet sich mit ständig neuen Einflüssen und Informationen. Auf der Organisationsebene des Systems können durch immer neue Informationen und Perspektivenwechsel keine stabilen Integrationsmuster entwickelt werden. Entscheidend ist hier das Muster der Zeitorganisation. Zeit zerfällt in eine schnelle und absolut diskontinuierliche Aufeinanderfolge von Informationen. Die Schnelllebigkeit und Unbestimmbarkeit der Informationen „zerhackt“ das Erleben von Kontinuität. Es entsteht eine „Gleichzeitigkeit“ für vielfältige Informationen, die keine subjektiv hergestellte Unterscheidung hinsichtlich ihres Inhaltes und ihrer Bedeutung zulässt. Die Gleichheit der Inhalte und Bedeutungen erzeugt paradoxerweise den absoluten Unterschied, weil es keine die unterschiedlichen Informationen verbindende Bedeutungsstruktur mehr gibt. Retzer und Weber nannten dies „synchrone Dissoziation“ (Retzer u. Weber 1991, S. 107). Bei Familien, in denen ein Familienmitglied als schizophren definierte Verhaltensweisen zeigt, finden wir Retzer und Weber zufolge oft eine Art Zeitorganisation, die extreme „Gleichzeitigkeit“ und damit „synchrone Dissoziationen“ erzeugt.