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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 288 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Franz Herrmann
• Für die Kommunalpolitik war dieser Planungsansatz nur teilweise
hilfreich, weil er zwar die Situation in einem Themengebiet umfassend darstellte, aber den Zusammenhang zu anderen relevanten Aspekten des Sozialraumes, für den Entscheidungen getroffen werden
sollten, nicht einbezog. Für öffentliche und freie Träger der Jugendhilfe führte die arbeitsfeldbezogene Planung dazu, dass Entwicklungen nur jeweils bereichsimmanent gesehen wurden, aber die übergreifende Struktur des Jugendhilfeangebots nicht auf den Prüfstand
gestellt wurde (»Strukturkonservatismus«).
• Für die Adressatinnen der Jugendhilfe bestand Partizipation lediglich
in der Äußerung von Wünschen und Bedürfnissen im Rahmen von
Befragungen. Die Ausrichtung der Planung machte eine weiter gehende Beteiligung kaum möglich.
Mit externer Unterstützung wurde ein neues, stärker lebensweltorientiertes Verfahren entwickelt und in den nächsten zwei Jahren sukzessive umgesetzt, mit dem diese Nachteile vermieden werden sollten. Hierfür wurden verschiedene Bausteine kombiniert:
• Organisation: Zur Ermöglichung flexiblen Handelns wurde vom Jugendhilfeausschuss zu Beginn der Planung für die zentrale Steuerung
zur Festlegung aller wichtigen Entscheidungen für die laufende Planungsarbeit, eine so genannte Steuerungsgruppe eingesetzt, in der
neben den Planerinnen die öffentliche Verwaltung, die wichtigsten
freien Träger sowie alle Gemeinderatsfraktionen vertreten waren. Der
Jugendhilfeausschuss behielt zwar die strategische Verantwortung
für die Planung und wurde regelmäßig über Stand und Ergebnisse informiert und zu Richtungsentscheidungen gefragt, die Steuerungsgruppe übernahm aber die operative Verantwortung im Rahmen der
gefassten Beschlüsse.
• Inhaltlicher Ausgangspunkt der Planung war eine sozialräumliche
Analyse des gesamten Stadtgebietes, mit der die Lebensverhältnisse, Belastungen und Ressourcen in den einzelnen Stadtteilen erfasst wurden. Hierzu musste zuerst eine sinnvolle sozialräumliche Aufteilung
des Stadtgebietes als Bezugsgröße für alle weiteren Arbeitsschritte gefunden und definiert werden. Danach wurde eine Reihe von sozialen
Indikatoren definiert, mit denen die Lebensverhältnisse in den Sozialräumen auf der Grundlage weniger empirisch aussagekräftiger quantitativer Daten kleinräumig charakterisiert werden konnten.4 Die ge4 Mittlerweile liegen die Ergebnisse einiger aktueller Projekte und Untersuchungen vor,
die auch empirische Zusammenhänge zwischen sozialstrukturellen Bedingungen, sozialen Problemen und dem Hilfebedarf in der Jugend- und Sozialhilfe nachgewiesen haben
und
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