2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/279.md

2.3 KiB

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 279 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Familienorientierung in einem kommunalen Jugendhilfenetzwerk

stellten System zu akzeptieren und am Erreichen der gemeinsam formulierten Ziele zu arbeiten. Wir legen Wert auf eine geregelte Tagesstruktur in der betreuten Wohngruppe. Deshalb müssen alle Jugendlichen entweder eine Schule besuchen oder sich in Ausbildung befinden. Ist dies bei Beginn der Maßnahme nicht möglich, wird die sofortige Aufnahme eines unentgeltlichen Sozialen Praktikums zur Pflicht gemacht. Um je nach Qualifikation passende Schul-, Ausbildungs- und Praktikumsplätze finden zu können, legen wir großen Wert auf die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen, Schulamt, Bundesagentur für Arbeit, Schulen, Betrieben usw. Diese vorgegebenen Regeln und Rahmenbedingungen erleichtern es den Jugendlichen, sich auf Angebote einzulassen, die einen großen Unterschied zu ihren bisherigen Lebensverhältnissen markieren, und Schritte in die eigene Zukunft zu wagen. 4.2 Alltag und Ziele der Wohngruppe Die für die Wohngruppe angemieteten Wohnungen werden gleichgeschlechtlich belegt. Die Aufnahme erfolgt für eine zeitlich begrenzte Dauer. Die Betreuung der Jugendlichen und ihrer Familien erfolgt durch systemisch weitergebildete Fachkräfte. Der Betreuungsumfang richtet sich nach dem Bedarf der einzelnen Jugendlichen. Entscheidend ist der Einbezug der Eltern in die alltäglichen Abläufe der Wohngruppe und die Verknüpfung dieser Hilfeform mit der systemisch-integrativen Familienberatung. So entsteht statt eines Gegenoder Nebeneinanders der beiden aktuell wichtigsten Lebenskontexte ein Miteinander. Das, was in der Wohngruppe geschieht, z. B. der Umgang mit Zeit oder die Einführung von verbindenden Ritualen, kann von der Familie reflektiert, kommentiert, kritisiert oder übernommen werden. Die Jugendlichen können ihre familiären Erfahrungen mit denen vergleichen, die ihnen mit den Peers und den Sozialarbeiterinnen in der Wohngruppe möglich sind, und sich fragen, ob bestimmte in der Familie gelernte Verhaltensweisen auch in anderen Kontexten hilfreich dabei sind, akzeptiert, gefördert und gemocht zu werden. Folgende Ziele sind der Wohngruppe zugeordnet:

• Überprüfung der eigenen Werte und Normen im Hinblick auf Herkunftsfamilie und Gesellschaft

279