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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 277 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Familienorientierung in einem kommunalen Jugendhilfenetzwerk

in dieser neuen Umwelt war. Hier konnte sie sich zu ihrem Alkoholkonsum und anderen Problemen bekennen, ohne dafür stigmatisiert zu werden. Eine weitere wichtige Erfahrung war der Kontakt mit den anderen Eltern, die ähnliche Schwierigkeiten in der Familie und mit dem Alltag hatten. »Wir saßen alle im gleichen Boot und mussten uns alle verändern.« Dadurch entstanden Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen und Unterstützung anzunehmen. Schön sei es auch gewesen, ganz neue und sympathische Seiten bei ihren Kindern zu erfahren und dass auch ihre Kinder ein anderes Bild von ihr bekommen hätten.

  1. Betreute Jugendwohngruppe mit Einbezug der Eltern Im Projekt der Systemisch-Integrativen Familienberatung wurde deutlich, dass es zu bestimmten Zeitpunkten eine Hilfe für alle Beteiligten sein kann, wenn Jugendliche für einige Zeit außerhalb ihrer Familie wohnen. Fehlende Lebensperspektiven sowie die im Laufe der Zeit angewachsenen Beziehungskonflikte zwischen Jugendlichen und Eltern erschweren deren positive Entwicklung innerhalb der Familien. Die Integration in ein Heim scheint aufgrund des Alters und der Entwicklung oft nicht angemessen; das betreute Wohnen unter aktiver Einbeziehung der Eltern ist eine gleichwertige Alternative, die es seit einiger Zeit im Landkreis Biberach gibt. Vorhandene Kräfte und Ressourcen der Jugendlichen und Eltern sollen konstruktiv genutzt werden. Dabei ist uns besonders wichtig, die Eltern (Sorgeberechtigten) nicht aus der Beziehung und Verantwortung zu entlassen, sondern ihre aktive Mitarbeit weiterhin für die Entwicklung der von uns betreuten Jugendlichen zu nutzen. Die Jugendlichen sollten bei Aufnahme bereit sein, teilweise Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und Schritte in die Eigenständigkeit unter Anleitung und Einbeziehung der Eltern zu erproben. Der Rahmen des betreuten Wohnens ermöglicht es ihnen, sich altersentsprechend und beziehungsorientiert von ihrer Herkunftsfamilie zu lösen und sich damit im Wechselspiel von »bezogener Individuation« (Stierlin) und »bezogener Separation« (Ritscher) weiterzuentwickeln. Durch die räumliche Trennung zwischen ihnen und den Eltern entsteht genügend Abstand, der es erlaubt, die Konflikte und mehrfachen Belastungen der Jugendlichen im Kontext der weiterhin durchgeführten Familienberatung bearbeiten zu können. 277