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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 258 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
einbarten wir noch im Beisein der Kinder Paargespräche mit Frau
und Herrn Ernst zur Verbesserung ihrer Kooperation als Eltern. Dieses Vorhaben wurde durch die oben beschriebenen Eskalationen
(Karin/Mutter bzw. Michael/Mutter) immer wieder unterbrochen.
Außerdem griffen die Eltern schnell auf alte Verletzungen aus ihrer
Ehegeschichte zurück, was es ihnen schwer machte, in aktuellen Erziehungsfragen zu kooperieren. So entwickelte sich ohne klare konzeptionelle Entscheidung unsererseits und ohne den Auftrag der Eheleute eine Paartherapie. Das änderte nichts an der festgefahrenen Situation: Die Eltern igelten sich wieder in gegenseitigen Vorwürfen
ein, die bezogene Individuation der zu Hause lebenden Kinder ging
nicht voran, und die Konflikte zwischen Mutter und Karin sowie zwischen Mutter, Michael und Vater eskalierten erneut.
Im Supervisionsteam wurde deshalb beschlossen, eine »Metakonsultation« in der Praxis des Supervisors durchzuführen. In diesem Setting werden Familie und Therapeutinnen gemeinsam von einem neutralen Dritten interviewt (van Trommel 1985). Der Fokus liegt dabei
auf dem ins Stocken geratenen Therapieprozess. Gegenüber der Familie machten wir deutlich, dass wir als Therapeutenteam, um ihnen
sinnvoll weiterhelfen zu können, Hilfe von außen benötigten. Es biete
sich die äußerst seltene Gelegenheit, die Familie einem erfahrenen Experten und Professor vorzustellen. Mit seiner Sicht von außen könnten wir unsere Gedanken neu ordnen und der Therapie möglicherweise eine neue Richtung geben. Wir wollten dazu alle Familienmitglieder (auch Tatjana und Matthias) einladen, da die Sichtweise eines
jeden in der Familie von großer Wichtigkeit wäre. Die Familie willigte
ein. Tatjana ließ ihre Teilnahme zunächst offen, kam aber dann doch
später dazu. Matthias meldete sich auf unseren persönlichen Einladungsbrief nicht und nahm auch nicht an der Metakonsultation teil.
Nach einer Joiningphase stellten wir die Familie dem Supervisor
vor, indem wir die jeweilige Situation der Einzelnen, ihre besonderen
Schwierigkeiten und Leistungen, Fähigkeiten und Verdienste für die
Familie benannten. So konnten wir auch auf eine für die Familie nicht
bedrohliche Weise unsere Hypothesen formulieren. Die Familienmitglieder waren zunächst nur Zuhörer und konnten in einer zweiten
Runde zu dem Gesagten Stellung beziehen.
Rückfragen des Supervisors an uns und die Familie erlaubten es
ihm, eigene Konnotationen zu setzen. In einer Besprechungspause
wurde das weitere Vorgehen geplant. Mithilfe einer Skulptur insze258