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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 252 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher

chael bei ihr im Schlafzimmer, obwohl er ein eigenes Zimmer hat. Frau Ernst meinte, dass Michael eventuell mehr Aufmerksamkeit brauche und diese dadurch bekomme. Sie störe dies nicht, da sie sowieso ein Doppelbett habe und hier genug Platz für ihn sei.

Aufträge wurden schon vor dem ersten Zusammentreffen mit dem TAF sowohl von der Familie als auch der Sozialarbeiterin formuliert und beim Erstgespräch mithilfe zirkulärer Fragen weiter präzisiert. (zum Phasenmodell des Erstgesprächs siehe Ritscher 2002a, S. 318 f.). Die Aufträge beinhalteten

• eine künftige Vermeidung von den bis zu Suizidversuchen sich hochschaukelnden familiären Eskalationen

• eine Klärung der elterlichen Paarbeziehung und der Kooperation des Paares als Eltern

• und die Möglichkeit aller Kinder zum Kontakt mit beiden Elternteilen, ohne dass der bzw. die jeweils andere damit gekränkt würde was sich vor allem auf die Mutter bezog.

7.2 Das erste Gespräch Die Familie lebt in einer Kleinstadt. Zum Haus gehören zwei Wohnungen und ein Büro; angebaut sind die Schreinerei und Garagen. Der äußere und innere bauliche Zustand sowie die Einrichtungsgegenstände und Ausstattung der Wohnung lassen auf eine schwierige wirtschaftliche Situation der Familie schließen, jedoch ist alles peinlich sauber gehalten. Das erste Gespräch wie alle weiteren fand im Esszimmer statt. Auf dem großen Tisch mit Eckbank und Stühlen stand Kaffeegeschirr. Wir wurden freundlich, aber distanziert empfangen, ungefragt wurde Kaffee eingegossen, den wir dankend annahmen. Anwesend waren die Eltern, Karin, Elena und Michael, das KoTherapieteam des TAF und die zuständige Sozialarbeiterin. Das Gespräch wurde mit zunehmender Dauer chaotischer, die Stimmung unter den Familienmitgliedern immer aggressiver. Jeder fühlte sich vom anderen sofort angegriffen, infrage gestellt und verletzt. In lamentierender Haltung konstruierte sich die Mutter als Opfer ihres Mannes, der Böswilligkeit der Kinder, ihrer eigenen Mutter oder der Schwiegermutter, während sie eine Zigarette nach der anderen rauchte und zwischen Küche und Esszimmer hin- und herging, um Kaffee nachzuholen. Der Vater hielt sich fast schweigend zurück und rauchte 252