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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 249 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung
gemeinsamen Arbeit geschaffen werden. Je nach Arbeitsweise des Jugendamtes wird bereits nach dem Erstgespräch ein Hilfeplan erstellt, manchmal nach einer Phase von drei bis vier Sitzungen. Die Fallverantwortung bleibt weiter beim auftraggebenden Jugendamt. Nach der beim Hilfeplanverfahren üblichen Frist kommen die an der Maßnahme beteiligten Fachkräfte wieder zusammen und beraten über die Fortsetzung der AFT. Je nach Verlauf der Therapie kommt es auch zwischen den Treffen zur Hilfeplanüberarbeitung zu Gesprächen zwischen Familie, Jugendamt und TAF. Wir verfassen in der Regel zur Vorbereitung der Gespräche Berichte zum Verlauf der Maßnahme. Die Therapeutinnen des TAF unterliegen jedoch der Schweigepflicht. Von dieser kann sie nur die Familie selbst entbinden. Sie entscheidet in der Regel, welche Informationen an Dritte weitergegeben werden dürfen. Wir waren bis jetzt noch nicht in der Situation, dass wir aus gesetzlichen Gründen unsererseits die Schweigepflicht aussetzen mussten.
- Ein Fallbeispiel: Aufsuchende Familientherapie mit Familie Ernst 7.1 Therapieanlass und die Situation der Familie bei Therapiebeginn Der Anlass für die 17 Monate dauernde und 24 Sitzungen umfassende Aufsuchende Familientherapie (AFT) bei Familie Ernst war ein Suizidversuch des jüngsten Kindes, Michael, im Sommer 2002. Er schluckte seine gesamten Asthmatabletten vor den Augen der Mutter und wurde für wenige Tage psychiatrisch untergebracht. Das eingeschaltete Jugendamt schlug nach mehreren Beratungsgesprächen eine Aufsuchende Familientherapie vor, und die Eltern stellten daraufhin im Oktober 2002 einen entsprechenden Antrag. Von der zuständigen Sozialarbeiterin des ASD erhielten wir (A. R. u. S. J.) vor dem ersten Kontakt mit der Familie folgende Informationen:
• Vater: Richard Ernst (geb. 1949) ist selbstständiger Handwerksmeister mit eigenem Betrieb. Er litt jahrelang unter Depressionen und wurde von einem Psychiater ambulant behandelt. 1992 unterzog er sich einer stationären Therapie. Sein Zustand besserte sich, die Medikamente wurden abgesetzt. Ende 1992 zog er aufgrund chronischer Konflikte mit seiner Frau aus der Familienwohnung in eine kleine
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