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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 246 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
Jede Therapie wird mit einem Abschlussgespräch beendet, bei dem der gesamte Prozess bilanziert wird. Ein erneutes Zusammenkommen nach etwa einem halben Jahr hat sich sowohl für die Familien als erneute Bestätigung für ihre Erfolge wie auch für uns im Sinne von Evaluation als nützlich erwiesen.
- Für welche Familien ist dieses Setting geeignet? Das TAF wendet sich mit seinem Angebot an Familien, die sich in besonders belastenden Lebenslagen befinden, z. B. aufgrund von
• Partnerschaftsproblemen • beabsichtigten oder vollzogenen Trennungen und anderen familiären Übergangskrisen (z. B. Tod eines Familienmitglieds)
• massiven Schwierigkeiten in der Erziehung, der Übernahme der Elternverantwortung und einer adäquaten Definition der Kinderrollen
• Suchtproblemen • Gewalt und drohender Vernachlässigung der Kinder • chronischen Krankheiten oder Behinderungen.
Diese Probleme sind häufig verbunden mit schlechten Wohnverhältnissen, finanziellen Nöten, Arbeitslosigkeit, und sozialer Isolation. Die Entwicklungsmöglichkeiten einzelner Familienmitglieder, insbesondere der Kinder, scheinen nicht mehr gewährleistet. Traumatische Erlebnisse aus jüngster Vergangenheit müssen verarbeitet werden – Trennung, Tod, Gewalt. Symptome werden gezeigt wie Einnässen, Schuleschwänzen, Lernschwierigkeiten, Stehlen, aggressive oder depressive Verhaltensweisen. Das Vertrauen der Familienmitglieder in die eigene Problemlösungskompetenz ist nur noch gering ausgeprägt und stellt sich dar in Hilflosigkeitsgefühlen, Selbstwertproblemen, Scham oder hoher Abhängigkeit von Hilfesystemen. Da es sich um eine Jugendhilfemaßnahme handelt, muss immer ein Kind bzw. müssen Kinder die Probleme der Familie in ihrem Verhalten ausdrücken. In diesem Sinne interpretieren wir ihre Symptome als Hilfewunsch an die Umwelt (s. auch Kron-Klees in diesem Band). Unsere Form der Familientherapie ist aufgrund der Sitzungsfrequenz weniger gut für die Krisenintervention geeignet. Sie ermöglicht mehr das reflexive Aufarbeiten von Krisen, das Herausarbeiten von 246