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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 243 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung
und Darstellung der Zirkularität jeder kommunikativen Handlung in der Familie ist deshalb unsere Aufgabe als systemische Therapeutinnen und kann im häuslichen Umfeld der Familie in besonderer Weise gelingen. Denn dieses veranlasst Familienmitglieder eher, sich authentisch zu zeigen und direkt auf die Botschaften der anderen zu antworten. • Das Vorgehen in der Therapie orientiert sich eng an den Ressourcen der Familienmitglieder und des gesamten Systems. Die lebensweltorientierte Perspektive eröffnet darüber hinaus den Blick auf das familiäre Umfeld, seinen Bedeutungshorizont und den damit verbundenen »Eigensinn« (Thiersch 1992) familiären Handelns und familiärer Symptome. Die Lebenswelt enthält zugleich eine Vielzahl von Ressourcen: Als soziales Netzwerk umschließt sie Personen, Einrichtungen und Institutionen, die materielle, ideelle und kommunikative Unterstützung anbieten; als Bedeutungshorizont enthält sie historisch gewachsene Normen, Werte, Leitideen, die in den Sinn eingehen, der den Handlungen der kommunizierenden Subjekte unterlegt wird bzw. nach dem sie suchen, wenn sich ihr Leben als bedeutungsarm oder sinnentleert darstellt. Ressourcenorientierung heißt dann Bedeutungen für die eigenen Lebensgeschichten finden, die Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Vertrauen in sich, in Beziehungen und in gesellschaftliche Verhältnisse ermöglichen. Hier spielen z. B. die Methode der »positiven Konnotation« und des Reframings (s. Ritscher 2002a) eine herausragende Rolle. • Wir möchten die Familien darin unterstützen, eine für alle spürbare Verbesserung der Ausgangssituation zu erreichen. Ziele der Therapie werden daher positiv formuliert; sie müssen konkret messbar und erreichbar sein, damit für die Familie und alle anderen Beteiligten die Veränderungen erkennbar werden. Sichtbare kleine Schritte der Veränderung sind Erfolgserlebnisse, die das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Familienmitglieder stärken und zu weiteren Schritten ermutigen. Eltern können ihre Paarbeziehung neu ordnen und lernen, in Erziehungsfragen besser zu kooperieren. Gegebenenfalls können sie auch in anderen Bereichen ihres Lebensumfeldes neue Handlungsmöglichkeiten entdecken. Den Kindern soll eine persönliche Entwicklung innerhalb und außerhalb der Familie ermöglicht werden – im Sinne einer »bezogenen Individuation« (Stierlin 1994). Die Bedürfnisse der Kinder nach Zugehörigkeit und Nähe einerseits und nach Eigenständigkeit und Abgrenzung andererseits brauchen eine Balance, die sich je nach ihrem Alter und ihren Kompetenzen unterscheidet. • Wir arbeiten mit der Zeitstruktur Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Biografische Daten, Konstellationen und Geschichten helfen
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