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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 234 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Ute Buggenthin
delte, und als bereits erste Entlastungen spürbar wurden, suchte auch
er den Kontakt. Er ließ es beispielsweise zu, dass sie Einblick in die Finanzen und Schulden bekam, und konnte in diesen Fragen unterschiedliche Hilfen annehmen. Stundenlang wurden Schreiben diverser Behörden, Rechnungen und Mahnungen sortiert, Listen zur
Übersicht der Schulden erstellt und Briefe formuliert. Seine Resignation wurde geringer, und er erkannte, was er zur Behebung der Probleme beitragen konnte. Dadurch wurde er ermutigt, neue Ziele für
sich zu benennen, und ging aktiver damit um. Seine Haltung, auf
dem Sessel sitzend die böse Welt für die eigene Situation verantwortlich zu machen, gab er zunehmend auf. Er machte sich etwas selbstsicherer auf die Arbeitssuche und konnte zumindest erreichen, dass
er ein dreimonatiges Praktikum bei einer Baufirma beginnen konnte.
Drei Kolleginnen der AGFJ waren direkt mit der Familie mit insgesamt acht Wochenstunden (face to face) beschäftigt:
• eine familientherapeutisch ausgebildete Sozialpädagogin; sie arbeitete mit der ganzen Familie ressourcen- und lösungsorientiert an Beziehungsmustern, Konflikten und zentralen Themen, unterstützte
die Eltern bei der Regelung des Familienalltags und nahm Michelle in
ihre Trommelgruppe auf
• eine Pädagogin als Leiterin der Reitgruppe, an der Michelle teilnahm
• und eine Sozialarbeiterin, die gemeinsam mit der Familientherapeutin die Frauengruppe leitete, an der Frau Russell teilnahm.
Die Familienmitglieder machten in diesem Zeitraum viele neue Erfahrungen, die zu nachhaltigen Veränderungen in der Familie führte.
• die Mutter: Ermutigung, ihre elterliche Präsenz und Kompetenz
durch einen konsequenteren Erziehungsstil zu zeigen und die Motivierung der Kinder zu sozialverträglichen Verhaltensweisen
• der Stiefvater: Akzeptanz der Stieftöchter, indem er den Kampf gegen
sie zugunsten eines wertschätzenden Umgangs veränderte
• das Paar: Bewusstwerdung der Unterschiede von Paar- und Elternebene, Entwicklung gemeinsamer Interessen und Gestaltung von Freiräumen ohne Kinder
• Michelle: Erforschen der eigenen Fähigkeiten, Entwicklung eines Erfolgsmotivs, Aufmerksamkeit hierdurch zu erzielen; Integration in
Freizeit- und Lerngruppen
• Katharina (die große Schwester): Entlassung aus der Rolle des Elternkindes, was die Geschwisterrivalitäten erheblich reduzierte.
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