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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 230 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Ute Buggenthin
legen geleitet wird) erfordert eine besondere kollegiale Kompetenz. Da
die Arbeit zwar in zwei »Fachgebiete« eingeteilt ist (im Fall der Familie
Krahl in die Paartherapie und die Erziehungsbeistandschaft für Paul),
es sich jedoch um ein einziges Problemsystem handelt, ist einerseits
die Zusammenführung der Ergebnisse notwendig, andererseits muss
der Schutz der verabredeten Settings eingehalten werden, damit Vertrauen nicht missbraucht wird. Hier lauern Gefahren, die am Beispiel
der Familie Krahl veranschaulicht werden können:
• Beispiel 1: Frau Krahl berichtet der Familietherapeutin, dass der Pate
leider immer zu spät komme und Paul daher sehr unglücklich sei. Da
sie sehr darauf bedacht sei, dass ihre Kinder zur Pünktlichkeit erzogen werden, störe sie dieses Verhalten wegen der »Vorbildfunktion«
sehr.
• Beispiel 2: Paul hat sich kräftig danebenbenommen, und Frau K. weiß
sich nicht zu helfen. Als nachmittags der Pate kommt, fängt sie ihn bereits an seinem Pkw ab und versucht, ihn in ein Elternberatungsgespräch zu verwickeln. Paul kommt zu dem Gespräch dazu und ist sauer, da er annimmt, dass sein Pate sich mit seiner Mutter verbündet
hat. An diesem Nachmittag ist er sehr wortkarg und misstrauisch.
• Beispiel 3: In der Familie eskaliert eine Situation. Die Therapeutin ist
im Urlaub, und die Eltern fühlen sich hilflos. Sie telefonieren vereinbarungsgemäß mit der Kollegin vom Jugendamt und berichten über
die Ereignisse. Diese nimmt Kontakt zum Paten auf und merkt beiläufig an, dass sie die Intervention der Therapeutin bemängelt: »Wie
kann sie die Eltern ermutigen, neue Grenzen zu setzen, wenn sie für
zwei Wochen nicht zu erreichen ist?«
• Beispiel 4: Im Hilfeplangespräch sind alle Fachkräfte und alle Familienmitglieder anwesend. Die Eltern wollen nun genau wissen, was
der Pate so mit Paul macht und welche Ziele denn nun endlich erarbeitet wurden. Der Jugendamtskollege möchte genau über die Inhalte
der Eltern- und Paargespräche informiert werden, schließlich muss er
die Finanzierung rechtfertigen.
Es fällt an diesen Beispielen auf, dass die Personen nicht nur innerhalb der Familie triangulieren. Diesem Phänomen wirkt sich auch das
Helfersystem aus. Unbeabsichtigt werden Störfeuer zwischen den
Kollegen gelegt, aber auch zwischen den Institutionen.
Nach unseren Erfahrungen ist daher diese Ko-Arbeitsweise nur
effektiv, wenn genügend Zeit für kollegialen Austausch zur Verfügung steht. Dies kann im Rahmen der Supervision geschehen, aber
die Kontakte müssen häufiger stattfinden. Daher tauschen sich die
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