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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 228 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Ute Buggenthin
4.2 Wie es weiterging
In den folgenden Gesprächen wird der bisherige Unterstützungsprozess in der Rückschau beleuchtet. Die Familientherapeutin lässt sich
ihn quasi drehbuchartig nacherzählen, dabei werden den Eltern die unterschiedlichen Wahrnehmungen deutlich. Mithilfe der »Moderation
der Familientherapeutin« erleben sie, dass eine Diskussion um »Rechthaben« und Schuldzuweisung nicht zielführend ist.
An den Beispielen der ersten Versuche, in positiver Weise Grenzen
zu setzen, erfahren die Eltern sehr viel über ihre eigenen Kommunikationsmuster. Ihnen wurde deutlich, welche »Schlüsselworte« bzw.
»Schlüsselsätze« zur Eskalation führten und wie sie extrem gegeneinander gearbeitet hatten. Auch ihre diesbezüglichen Motive wurden
deutlich, und so entstand ein gegenseitiges Verstehen. Da beide die
oben genannten Ziele erreichen wollten, ließen sie sich mutig auf
Übungen und Experimente ein.
Paul bewies jedoch weiterhin, dass er sich keine Grenzen setzen lassen will. Das führte dazu, dass die Eltern in manchen Gesprächen resigniert, zornig und entmutigt wirkten. Es war deutlich zu spüren, dass
Sie sich für Pauls Verhalten schuldig fühlten. In diesen Sitzungen achtete die Therapeutin besonders darauf, Ressourcen zu benennen und
die Eltern zu ermutigen, sich näher zu kommen. Das half, aus depressiven Stimmungen herauszufinden und in den Blick zu bekommen,
was sich alles schon verändert hatte.
Die Eltern freuten sich sehr, wenn die Therapeutin von den sympathischen Seiten Pauls sprach und durch verschiedene Reframings seinem Verhalten einen entwicklungsorientierten Sinn unterlegte.
Weitere Entlastung erlebten die Eltern durch die »Anamnesearbeit«.
In der Rückschau auf die früheren Zeiten der Kindererziehung wurde
ihnen die Unterschiedlichkeit ihrer Erinnerungen und Wahrnehmungen bewusst. In der Folge entwickelten sie selbst eine Hypothese darüber, wann und nach welchem Ereignis Paul »ein anderer geworden
war«. Er hatte seit etwa einem Jahr die Kontakte zu seiner Clique abgebrochen. In dieser Zeit sei er einmal mit Verletzungen nach Hause gekommen, die vermutlich durch eine Schlägerei entstanden waren. Er
habe sich aber geweigert, darüber zu sprechen. Erst jetzt wurde ihnen
die zeitliche Übereinstimmung bewusst, und sie entwickelten neben
dem Interesse für diese Veränderung auch ein Mitgefühl für ihren
Sohn. Das führte zu einer neuen Bereitschaft, sich für ihn zu engagieren
und nicht jede Verhaltensweise von ihm als bewusste Aggression zu
empfinden.
Der Mentor bzw. »Pate« erarbeitete mit Paul zeitgleich, seit wann er
seine Eltern als besonders nervig erlebt hatte, und suchte ebenfalls nach
zeitlichen Übereinstimmungen. Diese Gespräche waren in der Regel in
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