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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 215 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
8. Cleartalk Ein systemisches Konzept für die Zusammenarbeit in sozialen Kontexten
Mit zehn zufällig ausgewählten Familien wurden vom Jugendamt
Erlangen längere Familieninterviews nach einem Zeitraum von ein
bis anderthalb Jahren durchgeführt. Zusammenfassend wurden die
Klärungsgespräche als deeskalierend, stärkend und optionserweiternd bewertet.2
9. Herausforderungen und Grenzen
für die Systemischen Klärungsgespräche
Im Folgenden benennen wir einige Schwierigkeiten bei der Ein- und
Durchführung der Systemischen Klärungsgespräche, die wir als
Herausforderung für eine Weiterentwicklung dieses systemischen
Settings betrachten:
• Eine pathologie- und defizitorientierte Grundhaltung bei den professionellen Mitarbeiterinnen.
• Das Festhalten an pädagogischen Expertenkonzepten z. B. »Wir
wissen schon, was gut für Ihre Familie ist« oder »Wir werden euch
schon helfen«.
• Eine zu enge Praxisführung des Konzeptes, z. B. eine zeitliche Begrenzung, die sich nicht an den Erfordernissen eines komplexen Klärungsprozesses orientiert.
• Die mangelnde Flexibilität und Passgenauigkeit der erarbeiteten Hilfen.
• Fragen, die durch Klärungsgespräche im Zwangskontext entstehen;
hier machen wir den Zwangskontext zum ersten Thema und prüfen
mit den Teilnehmerinnen die Chancen und Barrieren dieses Kontextes. Oft führt eine akzeptierende Haltung gegenüber der Befindlichkeit einer Familie, die zu den Gesprächen kommen muss, zu einer
besseren Zusammenarbeit. Manchmal gibt es kein Interesse an Kooperation, dann wird mit der Familie und allen zuständigen Mitarbeiterinnen des Jugendamtes gemeinsam überlegt, was an dieser
Stelle für die Familie und das Jugendamt auch ohne Kooperation (s.
Schweitzer 1998) möglich ist.
• Ressourcen und Fähigkeiten der Familien sind zum Zeitpunkt der
Entscheidungsfindung begrenzt und nicht ausreichend für eine Sicherung des Kindeswohles in diesem Fall können erst nach einem
»Eingriff« (B. Müller 1993) des Jugendamtes die Klärungsgespräche
einsetzen.
• Die Klärungsgespräche beginnen an einem für die Ressourcen- und
Kräftemobilisierung ungünstigen Zeitpunkt.
2 Materialen zur Evaluation können bei den Autorinnen angefordert werden.
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