2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/211.md

28 lines
2.4 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 211 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
8. Cleartalk Ein systemisches Konzept für die Zusammenarbeit in sozialen Kontexten
ternehmen müsse. Wir fokussierten nun auf den Auftrag der Klärungsgespräche, überlegten gemeinsam, was die Familie mit weiterführenden Erwartungen tun könne (z. B. in den Hintergrund stellen,
parken, über Bord werfen, zum späteren Zeitpunkt wieder wichtig
werden lassen etc.), und erklärten das Setting der ca. fünf Klärungsgespräche mit den verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Dann baten wir die Familienmitglieder, sich vorzustellen. In dieser Runde wurde Jan, der müde und blass auf seinem Stuhl neben der
Schwester saß, aktiv; er lachte mit der Schwester über einige Äußerungen seines Vaters und erklärte, als wir nachfragten, dem Vater seine Heiterkeit.
Nach den Vorstellungen interessierten wir uns dafür, was die Einzelnen als besondere Begabung oder Fähigkeit an sich selbst wahrnehmen und gern haben. Bei dieser Sequenz zeigten die Teilnehmer
lebhaftes Interesse aneinander. Bei den nachfolgenden Mitteilungen,
was sie an den anderen schätzen und was sie ein wenig anders haben
möchten, entstand eine lebendige und humorvolle Gesprächsatmosphäre bis die Mutter die Suizidversuche ihres Sohnes und ihre Sorge darüber ansprach. Dieses Thema wurde weiterbesprochen; wir
fragten Jan, was er mit seinen Versuchen erreichen wolle. Er antwortete, er wolle nicht sterben, sondern sich dadurch ein Leben an einem
anderen Ort ermöglichen.
Am Ende dieser Sitzung wurde die nächste geplant, an welcher
der zuständige Psychologe der KJP teilnehmen sollte. Alle Familienmitglieder wollten wieder mit dabei sein, und die Familientherapeutin schlug vor, eine Skulpturmethode zu nutzen, die allerdings erst in
der nächsten Sitzung in Ausformung und Stil gemeinsam mit dem
Psychologen konkretisiert werden sollte. Bei der Verabschiedung äußerte die Mutter Erstaunen darüber, wie leicht es möglich war, hier
über ihre schwierigen Probleme zu sprechen.
Wir Profis vermuteten, dass die Aussage von Jan, sich durch die
Suizidversuche einen anderen Ort zum Leben zu ermöglichen, eine
zentrale Bedeutung hatte, und nahmen uns vor, dies bei der Planung
der Skulpturarbeit für das nächste Mal zu berücksichtigen.
6.5 Das zweite und dritte Gespräch (fünfte Phase)
Das zweite Gespräch fand eine Woche später in der KJP statt. Nach einem ausführlichen Vertrautwerden aller mit der in der neuen, um den
211