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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 181 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
7. Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe
von Sozialarbeiterinnen immer wieder an Grenzen oder gar auf Widerstände. Dokumentiert wird dieses Faktum in gezielten Evaluationen von Hilfeabbrüchen, die verdeutlichen, dass ein Hauptgrund der
seltene Kontakt der Helferinnen zum Herkunftssystem ist. »Während
frühe Abbrüche also vor allem von einer erhöhten Beteiligung des Kindes gekennzeichnet sind, weisen spätere Abbrüche eher eine schlechtere Kooperation mit dem Kind auf. Beiden gemeinsam ist die nicht
hinreichende Kooperation mit den Eltern« (Schneider 2002, S. 419).
Wenn aber der systemisch indizierte gesetzliche Auftrag ernst
genommen und gelebt wird, entsteht eine echte Chance für die persönliche Entwicklung der Auftraggeberinnen und Helferinnen. Systemische Denk- und Handlungsansätze als Beziehungsarbeit verstanden können im Dialog Ressourcen benennen sowie für Veränderungsprozesse bei Kindern und in ihrer Umwelt motivieren und sie
fördern.
Auch deshalb sollte der Konflikt zwischen Sozialpädagoginnen
und psychologischen Therapeutinnen zugunsten einer ganzheitlichen
sozialen bzw. psychosozialen Arbeit (vgl. Ritscher 2002a) aufgegeben
werden. Der systemische Ansatz ist zunächst einmal eine Erkenntnisperspektive und eine die Unterschiedlichkeit in alltäglichen professionellen Beziehungen akzeptierende Wertehaltung. Vor dem Hintergrund der in der Jugendhilfe notwendigen systemorientierten Maßnahmen, Verfahren und Methoden sollte deshalb zunächst die Frage
nach der multiperspektivischen Wertehaltung der Helferinnen in den
Mittelpunkt gestellt werden. Die nötige Unterstützung unserer Kinder
und Jugendlichen für ihre Lernprozesse, die aus dysfunktionalem, oft
langfristig tradiertem Verhalten herausführen, benötigt berufsethische Diskurse und die Integration methodischer Ansätze außerhalb
des »standardisierten« Lehrbuchwissens. Die Praxis zeigt, dass ein integrativer Prozess im Alltag eine gegenseitige Bereicherung ist.
2.2.2 Lernziel Respekt
»Es gibt kein größeres Hindernis für die Entfaltung der kindlichen
Persönlichkeit als einen Erwachsenen, der mit seiner ganzen überlegenen Kraft gegen das Kind steht« (Montessori 1988, S. 21).
Wir brauchen für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern tragfähige
Bündnisse mit ihnen. Diese werden für sie nicht nur in der alltäglichen Interaktion mit ihnen spürbar, sondern auch durch unsere
Kommunikation mit ihren Herkunftssystemen. Für die Kinder be181