2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/174.md

2.8 KiB

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 174 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Peter Ahrens, Eyke Baum, Monika Gessner, Annette Heyd, Elke Looft und Heike Richter

trotz anfänglicher Skepsis regelmäßig und pünktlich in die SGA komme und dass er sich mit einem Jungen aus der Gruppe auch außerhalb der Gruppentermine treffe. Karl war erstaunt, dass seine Mutter, sein Vater und selbst seine Schwester doch etwas Positives an ihm entdecken konnten. Ab diesem Zeitpunkt war die angespannte Stimmung vom Anfang des Gespräches deutlich entspannter. • Gemeinsames Ziel/gemeinsame Lösungsideen/Kontrakt: Der Sozialpädagogin war es zur Entlastung aller noch wichtig zurückzumelden, dass sie immer wieder beobachte, dass man bei Personen, mit denen man am engsten zusammenlebe, Veränderungen oft zuletzt wahrnehme. Daher sei es von Bedeutung, ganz bewusst auf positives Verhalten zu achten bzw. es aufzuspüren. Auf ihre Frage, was sie sich für die nächsten zwei Wochen vornehmen möchten, brachte Karl eine Idee zur Veränderung der Streitereien ein. Die vorhergehenden Sequenzen (Umdeutung seines Verhaltens und positive Rückmeldungen der anderen) hatten ihn geöffnet. Sein Vorschlag war, dass seine Mutter ihn im Streit mit Elisa unterbrechen und in die Küche bitten sollte. Er könne sich vorstellen, dass er dann ruhiger mit ihr besprechen könne, was er tun könne, damit der Streit sich nicht gleich wieder entzünde. Frau F. fand diesen Vorschlag gut. Sie nahm sich vor, ein »positives Tagebuch« zu führen, damit die positiven Verhaltensweisen nicht wegen der Streitigkeiten untergingen. Herr F. sah keine Notwendigkeit, etwas an seinem Verhalten zu ändern. Er meinte, dass die Kinder viel zu selten bei ihm seien, er habe keinen Einfluss auf ihr Verhalten. Durch ein Reframing konnte im Gespräch herausgearbeitet werden, dass Herr F. gern mehr Kontakt haben und Verantwortung für seine Kinder übernehmen wollte. Frau F. war von dieser Aussage positiv überrascht, da sie bisher den Eindruck hatte, Herr F. werde sich aus der alltäglichen Erziehungsarbeit heraushalten wollen. Elisa nahm sich vor, das Gespräch zwischen Karl und seiner Mutter nicht zu stören und dann im Anschluss daran an gemeinsamen Vereinbarungen mitzuwirken.

Am nächsten Gespräch sollten wieder alle Familienmitglieder teilnehmen. Als Thema wurde das Erziehungsverhalten beider Elternteile in Situationen, in denen Karl und Elisa sich streiten, benannt. Herr F. wünschte sich darüber hinaus eine Beleuchtung seiner momentanen Situation als getrennt lebender Vater und die Beschäftigung damit, wie er in dieser Situation seiner Rolle gerecht werden könne. Zum Abschluss des Gesprächs verwies die Sozialpädagogin auf die Stärken der einzelnen Familienmitglieder, die sie im Verlauf des Gesprächs wahrgenommen hatte. 174