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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 172 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Peter Ahrens, Eyke Baum, Monika Gessner, Annette Heyd, Elke Looft und Heike Richter
ter und seine Schwester hätten ja genug zu sagen, er wolle lediglich wissen, was sie alles erzählen würden. Herr F. lehnte sich erst einmal zurück und meinte, da es ja das erste Gespräch für ihn sei, wolle er erst einmal beobachten, wie diese Gespräche so abliefen, um dann eventuell an geeigneter Stelle etwas zu sagen. Frau F. begann sogleich mit einer Aufzählung ihrer Schwierigkeiten im Umgang mit Karl. »Es ist immer das Gleiche. Karl schlägt ständig seine Schwester, reißt ihre Poster von der Wand und platzt in ihr Zimmer, wenn sie ungestört sein möchte. Dazu erhielt ich einen Anruf aus der Schule, dass er wieder ständig Konflikte mit Mitschülern provoziert. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich mit ihm machen soll. Ständig soll ich irgendwas regeln, und dabei habe ich das Gefühl, dass es nichts nutzt, wenn ich mit ihm rede. Aber alle erwarten das.« Karl sah sein Verhalten durchaus nicht so problematisch und führte Gründe an, warum es jeweils aus seiner Sicht gerechtfertigt gewesen sei. Die Sozialpädagogin erkundigte sich bei Frau F., wie sie denn bisher mit diesen Situationen umgegangen sei. Sie berichtete, dass sie sich bei den Geschwisterstreitereien meistens von Elisa berichten lasse, wie es zu der Auseinandersetzung gekommen sei. Da sie sich gut in Elisas Position hineinversetzen könne, rüge sie meist Karls Verhalten und trenne die Kinder für eine gewisse Zeit, indem sie beide in ihre Zimmer schicke. • Interaktionsmuster der Familie: Elisa hakte gleich ein und unterstrich die Schilderung ihrer Mutter (Koalition zwischen Elisa und Mutter). Karl fühlte sich ausgegrenzt, es kam zu einem Wortgefecht zwischen Elisa und Karl. Der Streit zwischen den beiden schaukelte sich immer höher, beide wollten die Parteinahme der Mutter erreichen. Frau F. versuchte, die Kinder zur Ordnung zu rufen, doch die beiden stritten unbeirrt weiter. Der Vater beobachtete die Situation, lächelte und meinte zu mir: »Ja, so ist das oft. Meine Frau kann sich nicht durchsetzen. Wenn meine Kinder bei mir wohnen würden, dann würde ich ihnen nicht so viel durchgehen lassen. Aber hier im Haus sage ich nichts. Ich bin hier nur Gast.« Er zeigte damit, dass er in dieser Situation nicht mit Frau F. gemeinsam die Erziehungsverantwortung übernehmen wollte. Frau F. reagierte darauf ziemlich wütend und betonte, dass es auch seine Kinder seien. Somit könne er sie ruhig unterstützen.
Diese Sequenz unterstrich die Hypothese der Sozialpädagogin, dass die Kinder den Eltern ermöglichen, auf Elternebene einen Streit auszutragen, der sie davor schützt, sich auf Paarebene auseinander setzen zu müssen. Sie brachte daher die Vermutung ein, dass das Verhalten der Geschwister ein Signal dafür sein könnte, dass die El172