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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 115 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
5. Die Mehrgenerationenperspektive zu Beginn des Hilfeprozesses
hatte die angebotenen Therapietermine nur sehr unregelmäßig genutzt und seit geraumer Zeit überhaupt nicht mehr. Die Jugendtherapeutin schlug nun vor, sie in die Kinder- und Jugendpsychiatrie einzuweisen.
Der Mutter wurde daraufhin von der Koautorin dieses Beitrags,
die nun mit dem Fall befasst war, zur Erstellung des Genogramms
eingeladen. Der Vater weigerte sich trotz einer persönlichen Anfrage,
daran teilzunehmen. Frau S. brachte der Genogrammarbeit eine große Offenheit entgegen. Allein die Tatsache, dass sich jemand mit ihrem Schicksal und ihrer Familiengeschichte beschäftigte, erfüllte sie
mit Stolz und Selbstachtung. Die Lebensleistungen von Frau Schmitt
wurden besonders gewürdigt, und es gelang, durch zirkuläre Fragen
die Perspektiven des Mannes und der Tochter in das Gespräch einzubringen, womit schon zu Beginn des Hilfeprozesses trotz des Einzelsettings die Familienorientierung betont wurde.
3.2 Mehrgenerationales Fallverstehen anhand von
Geno- und Soziogramm
Stichworte zum Genogramm
• Sarah Schmitt, geb. 1990, Schülerin einer Hauptschule;
Indexklientin bzw. Indexadressatin der Jugendhilfe.
Problembenennungen: auffallendes Essverhalten (Tendenz zu einem
anorektischen Verhaltensmuster), Einnässen, besucht ungern die
Schule, Kontaktprobleme, sehr enge und ausschließliche Beziehung
zur Mutter.
• Anneliese Schmitt, geb. 1954, Mutter von Sarah, keine Berufsausbildung, angelernte Tätigkeiten im hauswirtschaftlichen und pflegerischen Bereich (Putzhilfe, Altenpflege).
Kindheit: Als Kleinkind in einer Krippe, wurde von der Mutter unzureichend versorgt, lebte ab dem vierten Lebensjahr abwechselnd zu
Hause und in unterschiedlichen Heimen, litt dort unter Heimweh
und Ausgrenzung, keine sozialen Kontakte außerhalb der Heime;
versorgte ab dem siebten Lebensjahr zeitweise den Haushalt ihrer
Mutter, war in der Pubertät untergewichtig, konflikthaftes Verhältnis
zum Vater.
Erwachsenenalter: Lebte ab dem 18. Lebensjahr selbstständig (zweijährige Beziehung mit einem Mann, der dann bei einem Autounfall
ums Leben kam), lernte Josef Schmitt 1979 kennen, Heirat 1985 noch
in der DDR, Geburt von Sarah 1990, Übersiedlung nach Westdeutschland 1989.
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