32 lines
2.2 KiB
Markdown
32 lines
2.2 KiB
Markdown
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 113 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
|
|
|
|
5. Die Mehrgenerationenperspektive zu Beginn des Hilfeprozesses
|
|
|
|
Eine grundlegende Perspektive für die Genogrammarbeit ist die Ressourcenorientierung: Welche Personen, familiären Leitideen und Beziehungssituationen waren bislang hilfreich für den eigenen Lebensweg, welche könnten unter bestimmten Bedingungen hilfreich sein,
|
|
und wie könnten sie entwickelt werden? Wie können bislang als Defizite benannte Merkmale, Personen, Situationen an Ressourcen geknüpft werden und so über neue Handlungsoptionen eine »Umwertung« erfahren?
|
|
|
|
3. Mehrgenerationales systemisches Fallverstehen:
|
|
Die Geschichte von Sarah
|
|
In diesem Kapitel beschreiben wir die Beziehungsaufnahme, die
|
|
mehrgenerational-familiendynamisch orientierte Informationsgewinnung, die Hypothesenbildung und die daraus ableitbaren Ideen
|
|
für weitere Schritte. (Zu den Phasen des Hilfsprozesses siehe Ritscher
|
|
2002a, S. 197.)
|
|
3.1 Die Vorgeschichte
|
|
Frau Schmitt wandte sich an den ASD, weil ihre neunjährige Tochter
|
|
Sarah die Schule schwänzt und der Umgang mit ihr sehr schwierig
|
|
sei. Frau Schmitt schilderte ihre zunehmende Hilflosigkeit: Ihre
|
|
Tochter gehe äußerst ungern in die Schule, im Übrigen esse sie nicht
|
|
mehr richtig. Feste Nahrung verweigere sie fast völlig, weil sie dann einen vehementen Würgreiz spüre und unter Erstickungsängsten leide.
|
|
Das eigentliche Problem sah Frau Schmitt in Sarahs Schule: Der Klassenlehrer behandle Sarah ungerecht, die Klassenkameraden würden
|
|
sie hänseln und zum Opfer ihrer Aggressionen machen. Sie könne
|
|
sich dagegen nicht wehren.
|
|
Drei Jahre zuvor war es auf Initiative der Schule schon einmal zu
|
|
einem Kontakt zwischen dem ASD und der Familie S. gekommen.
|
|
Die Schule hatte sich an ihn gewandt, weil Sarahs Versorgung zu
|
|
Hause unzureichend sei und sie ein auffallendes Sozialverhalten zeige. Damals wurde wegen allgemeiner Entwicklungsverzögerungen
|
|
und Problemen im Umgang mit Gleichaltrigen vereinbart, dass sie
|
|
mehrmals pro Woche nachmittags eine Tagesgruppe besuchen sollte.
|
|
Dies sollte einerseits die überfordert wirkenden Eltern entlasten und
|
|
andererseits positive Entwicklungsimpulse anbieten. In dieser Zeit
|
|
wurde Sarahs regelmäßiges nächtliches Einnässen zu einem wichti113
|