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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 109 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Die Mehrgenerationenperspektive zu Beginn des Hilfeprozesses

These der generationenübergreifenden Übertragung von Familienmustern lässt sich anhand des Genogrammes überprüfen. McGoldrick und Gerson (1990) haben folgende Kategorien herausgearbeitet, die als Anhaltspunkte bei der Interpretation von Genogrammen dienen: Familienstruktur, Übergänge im familiären Lebenszyklus, generationenübergreifende repetitive Muster, Lebensereignisse und Funktionalität, Beziehungsmuster und Dreiecke sowie Familiengleichgewicht und -ungleichgewicht. Das Soziogramm, ursprünglich von Moreno (1974) als Diagnostikmethode für Gruppenbeziehungen entwickelt, lässt sich auch für die Darstellung der Qualität von Beziehungen in Familiensystemen und ihren sozialen Umwelten nutzen (s. auch Ritscher 1998). Die entsprechenden Hypothesen der Sozialarbeiterin lassen sich mithilfe folgender Fragen bilden: Als wie nah oder distanziert, eindeutig oder ambivalent, konflikthaft oder harmonisch beschreibe ich die Beziehungen; welche Bündnisse für bzw. gegen wen beobachte ich; welche Dyaden, Triaden und Triangulationen lassen sich identifizieren; schätze ich die Grenzen zwischen den familiären Subsystemen als diffus, funktional-durchlässig oder undurchlässig-starr ein? Wie bei der Genogrammkonstruktion können auch für die grafische Darstellung der Hypothesen Symbole genutzt werden (vgl. ebd.). Die Hypothesen richten sich nicht nur auf gegenwärtige Beziehungen, sondern auch auf solche, die sich aufgrund relevanter Erfahrungen in der Vergangenheit in den Köpfen einzelner Familienmitglieder als eigene Bilder »festgesetzt« haben. So können auch verstorbene Mitglieder der Familie, aber auch Haustiere oder Themen Teil des Soziogramms werden. In der Verknüpfung von Genogramm und Soziogramm lassen sich dann Hypothesen über die mehrgenerationalen Beziehungskonstellationen, Beziehungsthemen und Beziehungsqualitäten (oder auch Beziehungsintensitäten) bilden. Mithilfe dieser Bestandsaufnahme können dann im Dialog mit den Auftraggeberinnen (vorläufige) Ziele, Wege und Schritte (Leitlinien und Maßnahmen) formuliert werden. 2.2 Theorien zum Verständnis der mehrgenerationalen Familiendynamik Damit die vorherrschenden und hintergründig wirkenden Kräfte eines Familiensystems verstanden werden, sind u. a. fünf Konzepte hilfreich, die wir hier vorstellen. 109