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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 91 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Der Erstkontakt mit Klienten und Klientinnen im Rahmen der öffentlichen Jugendhilfe
Zähne) hat einen Spaltbreit aufgemacht und starrt die beiden eine Weile wortlos an. Die Frauenstimme aus dem Hintergrund: »Wer ist denn da?« Der Mann: »Weiß nicht. Zwei Leute.« – »Was wollen die denn?« – »Weiß nicht.« Es scheint, dass der Mann die Tür wieder zumachen will. Der Sozialarbeiter: »Entschuldigen Sie die Störung …« – »Wir brauchen nichts!« Der Mann will die Tür schließen. Der Sozialarbeiter tritt einen Schritt vor: »Entschuldigen Sie, wir wollen nichts verkaufen. Wir wollen mit Ihnen reden. Können wir mit Ihnen in die Wohnung kommen?« – »Wer sind Sie denn?« – »Wir kommen vom Sozialen Dienst des Stadtbezirks; dies ist meine Kollegin Frau S., und ich heiße L. Hier sind unsere Ausweise.« – »Und was wollen Sie?« – »Wie gesagt, wir wollen mit Ihnen reden, und worüber, das wissen Sie sicher selbst.« Die Frauenstimme aus dem Hintergrund: »Wer ist da?« – »Die sagen, die sind vom Sozialen Dienst.« – »Die sollen ruhig reinkommen. Die sollen ruhig sehen, was hier los ist.« – »Was ist denn los?« – »Das weißt du ganz genau.« – »Herr …?« – »M.« – »Herr M., dürfen wir jetzt reinkommen?« Der Mann geht schweigend vor. Der Sozialarbeiter und die Sozialarbeiterin treten ein und schließen die Tür. Sie folgen dem Mann in die Küche. Die Frau sitzt am Küchentisch (hager, zerzaustes Haar, Zigarette in der Hand, roter, halb offener Bademantel, Unterwäsche, Socken). Sie hat ein verquollenes Gesicht, angeschwollene Lippen mit Blutspuren, eindeutig ein blaues, rot unterlaufenes Auge. Bei genauerem Hinsehen sieht man auch Blutspuren an der Wäsche. Links unter dem Küchentisch hockt ein Kind von ca. drei Jahren im Schlafanzug. Es zittert am ganzen Körper, die Lippen beben. Es hält sich mit dem rechten Arm die linke Schulter. Es sitzt in einer Lache Urin. Zerbrochenes Geschirr liegt am Boden, verstreute Nudeln. Ein zerbrochener Stuhl lehnt am Schrank, seine Türen stehen offen. Zwei Türen scheinen gesplittert. Es riecht stark nach Zigaretten und nach aggressiven Reinigungsmitteln. Inzwischen hat sich der Mann eine Zigarette angezündet. Sozialarbeiter zur Kollegin: »Das sieht nicht gut aus.« Sozialarbeiterin zur Frau: »Entschuldigen Sie, aber ich muss erst einmal Luft holen. Sie sehen ja schlimm zugerichtet aus.« Der Mann: »Was heißt hier schlimm zugerichtet? Ich will Ihnen nur eins sagen: Diese Frau …« Der Sozialarbeiter zum Mann: »Entschuldigen Sie, dass ich Sie gleich unterbreche. Was Sie jetzt sagen wollen, will ich gar nicht hören. Das ist nur die Fortsetzung von dem, was hier vor kurzem geschah. Und Sie wissen selbst, dass das nicht gut war, egal warum es geschah.« – »Aber …« – »Kein Aber, jedenfalls nicht jetzt. Später können wir über alles reden, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Das, was ich hier sehe, ist eine Katastrophe. Und es wird darum gehen, in Zukunft solche Katastrophen zu vermeiden. Jetzt geht es erst einmal darum, was unmittelbar geschehen muss. Vor allem mit dem Kind, aber auch mit
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