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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 89 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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4. Der Erstkontakt mit Klienten und Klientinnen im Rahmen der öffentlichen Jugendhilfe
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Als die für Sozialarbeiter schwierigste Form, einen fruchtbaren
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Erstkontakt herzustellen, erachte ich die Variante, bei der der Verdacht
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begründet ist, dass in einer Familie das Wohl von Kindern akut stark
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gefährdet ist – bis hin zur Möglichkeit einer lebensbedrohlichen Situation.
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Ein erstes Beispiel
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Bei einem Bezirkssozialarbeiter meldet sich eine männliche Stimme am
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Telefon: »Bin ich bei Ihnen richtig? Ich bin von der Zentrale an Sie vermittelt worden.« – »Worum geht es denn? Übrigens: Guten Tag.« – »Ja,
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Guten Tag. Habe ich ganz vergessen. Wissen Sie, ich bin so aufgeregt.
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Vor drei Monaten habe ich neue Nachbarn bekommen. Das heißt, die
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wohnen über mir. Ein Mann, eine Frau und ein Kind. Vielleicht drei Jahre alt. Ob das die Eltern sind und ob die verheiratet sind – das weiß man
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ja heute gar nicht mehr. Aber dauernd haben die Streit. Streit ist gar kein
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Ausdruck. Der Mann brüllt, die Frau kreischt. Das Kind höre ich nur
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manchmal. So Schreie. Ich kann das gar nicht beschreiben. Es klingt
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aber so, als würde der Mann die Frau schlagen. Ich zittere dann immer.
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Ich kann das kaum aushalten und muss dauernd denken, was mit dem
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Kind passiert. Wird das auch geschlagen? Wissen Sie, ich bin Rentner
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und muss mir das anhören. Ich kann das kaum noch aushalten.« – »Oh,
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das klingt wirklich schlimm.« – »Ja, bin ich bei Ihnen richtig?« – »Wo
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wohnen Sie denn?« – »Ich will aber nicht, dass jemand erfährt, dass ich
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bei Ihnen angerufen habe. Ich will keinen Ärger.« – »Selbstverständlich
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werde ich Sie nicht verraten. Wenn Sie anonym bleiben wollen, werde
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ich das respektieren. Aber ich muss schon wissen, in welcher Straße die
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Familie wohnt, um feststellen zu können, ob ich zuständig bin oder ein
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anderer Kollege.« – »Ich will nur nicht, dass meine Nachbarn erfahren,
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dass ich bei Ihnen angerufen habe. Mein weiß ja nie, was die dann machen. Man will ja auch niemandem schaden.« – »Was denken Sie denn
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selbst, was Sie jetzt tun? Ist das eine Denunziation, oder sorgen Sie sich
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eher um eine Familie, die nach Ihrer Wahrnehmung Hilfe bräuchte?« –
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»Wenn Sie mich so fragen, dann will ich, dass der Familie, ich meine vor
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allem dem Kind, Hilfe gegeben wird, damit das endlich aufhört.« – »Sie
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ärgern sich über den Lärm und machen sich gleichzeitig Sorgen um das
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Kind. Verstehe ich das richtig?« – »Ja, so ist es. Ich ärgere mich über den
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Lärm und mache mir Sorgen um das Kind. Stimmt. Ist das schlimm?«
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– »Nein, überhaupt nicht. Sie haben ein Recht, sich über die Lärmbelästigung zu ärgern. Wenn Sie sich darüber hinaus auch Sorgen um das
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Kind machen und für die Familie Hilfe anfordern, tun Sie etwas sehr
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Verantwortungsvolles, wofür Sie Anerkennung verdienen.« – »So habe
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ich das noch gar nicht gesehen.« – »Ich sichere Ihnen also zu, dass nie-
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