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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 78 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Cornelia Jager
seinen Mitschülern und Mitschülerinnen gegenüber »grundlos« aggressiv und wurde so schnell zum »Außenseiter« (und wohl auch zum
»Sündenbock«). Die Schule reagierte prompt und »entsorgte« Roy. Er
wurde in eine Förderschule für Erziehungshilfe umgeschult. In dieser
Zeit nahm Familie S. auch das Angebot einer sozialpädagogischen
Familienhilfe (SPFH) wahr, wobei beide Elternteile die eingesetzte Sozialarbeiterin im Nachhinein als »wenig hilfreich« einschätzten jedoch ohne dies näher erläutern zu können (oder zu wollen).
Frau S. ist auf Grund ihres Gesundheitszustandes (drei Bandscheibenvorfälle) berentet. Herr S. ist Diabetiker und arbeitet im Schichtdienst bei der Stadtreinigung.
Frau S. trug schon vom ersten Kind an den Hauptteil der und spätestens seit der Geburt von Roy die nahezu alleinige Verantwortung für
die Erziehung. Sie vermittelte ständig zwischen Roy und den anderen
Familienmitgliedern und bekam, bei Auseinandersetzungen unter
den Brüdern, nur »wenig« bis »keine« Unterstützung von ihrem Ehemann. Aufgrund dieser jahrelangen Belastung im Zusammenhang
mit der konfliktreichen Familiensituation sowie aufgrund ihres eigenen gesundheitlichen Zustands stieß sie immer wieder an die Grenzen
ihrer Belastbarkeit. Zudem zeigte sich Roy nicht nur in den Geschwisterbeziehungen, sondern auch gegenüber seiner Mutter als sehr aggressiv sowohl verbal wie auch körperlich (grenz)verletzend. Und
das, obwohl oder gerade weil? sie als Einzige in der Familie zu Roy
hielt und sich auch selbst beständig in der Rolle der »Beschützerin«
sah.
Wie bereits erwähnt, konnte Herr S. die angespannte Familiensituation und Roys Besonderheiten nur sehr schwer aushalten und hielt
sich weitestgehend aus allem heraus.
Ein diesbezüglich sehr interessanter Aspekt ist, dass Herr S., der in
seiner Kindheit selbst als »hyperaktiv« diagnostiziert worden war, als
Vater dennoch (oder gerade deshalb?) eher genervt und »energisch«
auf Roy reagierte, was immer wieder zu äußerst heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden führte.
Im Frühjahr 2003 zog Familie S. in den Dresdner Stadtteil Neustadt. Roy besuchte regelmäßig die »Spieltonne« und blieb dabei den
Sozialarbeiterinnen des ASD nicht unbemerkt. Er zeichnete sich durch
eine überdurchschnittliche motorische Geschicklichkeit sowie durch
seine schnelle Auffassungsgabe aus, was Spielregeln und -inhalte betraf. Andererseits verlor er schnell die Lust am Spiel, wenn er keine
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