2.5 KiB
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 77 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
-
Sozialräumliche Orientierung, Partiziption und Case Management in der Arbeit des ASD
-
Falldarstellung: Familie S. Die Familie S. besteht aus dem Vater (52), der Mutter (45) und den vier Söhnen – Thomas (28), Ralf (24), Tom (14) und Roy (13). Von den Großeltern leben noch die Großmutter mütterlicherseits, die Großmutter väterlicherseits, ihr zweiter Ehemann und der von ihr geschiedene erste Ehemann. Zunächst eine kurze Zusammenfassung der Familiensituation, wie sie sich dem ASD Neustadt zu Beginn der Zusammenarbeit mit Familie S. darstellte. Frau und Herr S. sind seit knapp 30 Jahren verheiratet. Sie bezeichnen ihre Ehe als »ganz normal«. Herr S. arbeitet und Frau S. ist für die Erziehung zuständig. Beide Eltern selbst sind als Einzelkinder aufgewachsen und haben weiterhin gemein, dass zu den Herkunftsfamilien nahezu kein Kontakt besteht. Dies sei einerseits auf eine jeweils nur wenig liebevolle Beziehung zurückzuführen und werde, auf der anderen Seite, noch dadurch verstärkt (oder erleichtert?), dass zwischen den Wohnorten große Entfernungen lägen. Die Großmutter mütterlicherseits lebe alleine in der Nähe von Heidelberg (der Großvater sei an Hodenkrebs verstorben), und die Großmutter väterlicherseits lebe mit ihrem zweiten Ehemann in Zittau. Der leibliche Vater von Herrn S. ward nie gesehen … Herr und Frau S. haben vier Söhne und es wird schnell deutlich, dass bereits das dritte Kind, Tom, der zehn Jahre nach dem zweiten Sohn, Ralf, geboren wurde, vom Vater »eigentlich« schon nicht mehr gewollt war. Ganz offen wurde dann das Desinteresse von Herrn S., als ein Jahr später noch ein weiterer Sohn, Roy, geboren wurde. Der älteste Sohn, Thomas, war schon länger aus dem Haus und dient als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Er wurde von beiden Eltern als »pflegeleicht« und unproblematisch beschrieben Roy wiederum befand sich schon seit der Kindergartenzeit im sozialpädagogischen Zentrum des Städtischen Krankenhauses DresdenNeustadt in Behandlung. Während dieser Zeit wurden ein »hyperkinetisches Syndrom« sowie »Minderwuchs« diagnostiziert. Es erfolgte eine heilpädagogische Frühförderung und, zu Beginn der Einschulung, eine Zusatzmedikation mit »Ritalin«. In der ersten Klasse erreichte Roy durchschnittliche Leistungen und fiel in keiner besonderen Weise auf. In der zweiten Klasse jedoch kam es zunehmend zu Verhaltensauffälligkeiten. Roy störte häufig den Unterricht, zeigte sich 77