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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 67 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
3. Sozialräumliche Orientierung, Partiziption und Case Management in der Arbeit des ASD
Das Zusammenwirken mehrer Fachkräfte bei der Einschätzung
von Familiensituationen hat in der Sozialen Arbeit in Form von Fallkonferenzen oder Fallteams eine lange Tradition, in letzter Zeit stark
beeinflusst durch neuere Entwicklungen in der Systemtheorie. Wie
ganz selbstverständlich werden jedoch Fallkonferenzen ohne die Betroffenen durchgeführt, obwohl gerade Tom Andersen ganz eindrücklich beschrieben hat, wie wirkungsvoll die Beteiligung der Betroffenen
sein kann (Neufeldt 2003). So hat sich das Dresdner Jugendamt 2003
auf ein einheitliches Verfahren verständigt. Es sieht im Sinne eines
systemischen Vorgehens die Einbeziehung der Adressatinnen bei der
Entscheidung über eine Hilfe zur Erziehung im Rahmen einer gemeinsamen Teamberatung vor. Diese Entscheidung war die Folge
eines jahrelangen Diskussionsprozesses innerhalb der zehn ASDAußenstellen und der jahrelangen positiven Erfahrungen des ASD
Dresden-Neustadt.
Die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen erlebten die früher
praktizierte Teamberatung unter Ausschluss der Betroffenen selten als
sinnvoll:
• Häufig waren sie sich gerade bei schwierigen Entscheidungen
nicht sicher, ob ihre durch den Ausschluss der Adressatinnen eingeschränkte Sicht zu der beschrieben Familie passte.
• Die Sicht der zuständigen Sozialarbeiterin stimmte oft nicht mit der
anderer Kolleginnen überein, die mit der Familie vertretungsweise
zusammenarbeiteten.
• Manchmal traf das Team eine Entscheidung, die nicht mit den von der
Familie im Vorfeld der Teamberatung geäußerten Wünschen übereinstimmte. Es oblag dann der zuständigen Kollegin, diese Entscheidung vor der Familie zu vertreten und zu begründen. Mitunter kam
es dann zu einem Einbruch des Vertrauensverhältnisses zwischen ihr
und der Familie.
Ziel der Teamberatung mit Betroffenen ist es, den Sozialarbeiterinnen eine möglichst detaillierte Beschreibung des Problemsystems zu
ermöglichen. Nur so entsteht eine gute Grundlage für die Beurteilung
dessen, ob ein Bedarf an Hilfe zur Erziehung besteht und welche Art
und welcher Umfang der Hilfe geeignet erscheint. Außerdem entsteht dann schon in der diagnostischen Phase ein Kommunikationsprozess mit den Betroffenen, in dessen Verlauf sich die Problembeschreibungen der Sozialarbeiterinnen und der Betroffenen verändern
können. Für Letztere ist die Einladung zum Team ein Zeichen, dass
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