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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 15 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Systemische Kinder- und Jugendhilfe – Eine Skizze
zulösenden oder gerade zum Spinnen, Weben, Wirken bereitgelegten Fäden, Schnüre oder Seile symbolisieren die Verbindungen und gleichzeitig die Wege bzw. Medien des informationellen Austausches. Durch die Entstehung des Internets und die globalisierten Kommunikationsströme hat der Begriff des Netzwerkes eine noch größere Bedeutung erhalten: Die Welt wird zunehmend durch kurz-, mittelund langfristige Netzwerke der Kommunikation, das heißt des Austausches und Transfers von Wissen, Daten, materiellen Produkten, Ideen, Bildern, der Ware Arbeitskraft, kriminellen Handlungen, Geldsummen, Terrorbotschaften, politischen Erklärungen usw. strukturiert und in Bewegung gehalten. Durch den für die Jugendhilfe fruchtbar gemachten Netzwerkbegriff lässt sich eine Verbindung zwischen ihr und der Soziologie herstellen, und zwar durch die Bezugnahme auf das Konzept der Netzwerkgesellschaft, das Manuel Castells vorgelegt hat (2002 u. 2003, I–III). Er interpretiert die neu entstehende globale Informationsgesellschaft, den ihre ökonomische Basis bildenden informationellen Kapitalismus, die Entstehung neuer politischer Räume, die Bildung neuer kultureller Werte und die Prozesse der adaptiven oder oppositionellen Identitätsbildung als Repräsentationsformen und Konsequenzen neuer, globaler Netzwerke und der in ihnen pulsierenden Ströme. Traditionelle Netzwerke bilden sich in Raum und Zeit, d. h., ihre Knoten sind lokal verankert, langfristig an Personen, Institutionen und Organisationen gebunden und verändern sich im Kontinuum der Zeit. In der Begrifflichkeit von Castells sind sie als »Raum der Orte« organisiert (2003a, S. 429 ff.). Die Familie wäre hierfür ein typisches Beispiel, die Gemeinde, in der wir »zu Hause« sind, oder ein Staat, der über Wahlen, Parlamente, Gesetze und Öffentlichkeit seine Bewohnerinnen zu Bürgerinnen und damit aktiven Teilen des Ganzen macht. Es geht immer um einen Ort, der sich in wichtigen Merkmalen von anderen Orten unterscheidet, mit dem mich eine gemeinsame Geschichte verbindet, dem ich mich zugehörig fühle oder den ich sogar als Heimat erlebe, der sich mit meinem Alltag verbindet, mit dem ich mich identifizieren kann und der dadurch zum Teil meiner Identität wird. Der »Raum der Orte« verheißt Kontinuität und Stabilität. Im globalisierten Kapitalismus wird er von Netzwerken überlagert, in denen all dies in den Hintergrund tritt zugunsten des »Raumes der Ströme« (Castells 2003a, S. 431 ff., 466 ff.). In diesem geht es vorrangig um den Austausch von Informationen – unabhängig von den sie 15