2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/509.md

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leicht vorstellen. Jugendliche, die in einem Milieu zu Hause
sind, in denen Voice und Selbstermächtigung zu Kritik
nicht gefordert wird, können das, was sie tun, kaum
artikulieren. Sie haben Schwierigkeiten, sich selbst zu
rechtfertigen, in der eigenen Familie, unter ihren Peers und
vor sich selbst. Die Brucherfahrung, die damit verbunden
ist, ist eine ganz andere als die derjenigen, deren Habitus
bereits mit der »Zutat« Kritik & Protest ausgestattet ist.
Das Beispiel ist mitten in der Matrix von Bourdieu. Es
zeigt, warum bestimmte Praktiken nach Bourdieu eher
wahrscheinlich oder unwahrscheinlich sind und warum sie
zu ungleichen Befähigungen der Akteure führen. Es gibt
aber auch den Grund dafür, warum Bourdieu
Habitusformen als Ausdruck der Unterschiede beschreibt,
die den Herkunfts- und Existenzbedingungen »in Form von
Systemen differentieller Abstände eingegraben sind«
(Bourdieu 1982, S. 279). Dauerhafte Dispositionen,
Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata sind
Ausdruck der Beharrung, weil sie träge sind. Sie erzeugen
Sinn für die Situation, in der Menschen leben. Dadurch
kann sich ein Habitus spielend leicht an Bedingungen
anpassen, in denen können. Sinn ist eine Ressource, die in
Praxis eingesetzt wird und mit der das eigene Handeln
gerechtfertigt wird. Hier können Sicherheiten einstehen
(wie im Falle der mit Protest und Kritik sozialisierten
Jugendlichen) oder auch Unsicherheiten. Bourdieu kommt
mit dieser Argumentation interessanterweise den
soziologischen Ansätzen von Berger und Luckmann, aber
auch dem von Krappmann sehr nahe, weil er von
Kontinuitäten und von einem sich aufschichtenden
Erfahrungswissen in der Biografie ausgeht, das immer
vermitteln muss zwischen dem vorhandenen Wissen und
Anforderungen, die neu sind, also Ambivalenz fördernden
Strukturen. Im vierten Prinzip des MpR zur Bildung einer
Ich-Identität ist bereits ähnlich argumentiert worden. Die
Grundregel ist: Je näher an den vorhandenen Erfahrungen