2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/508.md

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Nur wenige der vorgestellten Basistheorien der
Sozialisation vermögen, das Verhältnis von Bewegung und
Beharrung in dieser Weise berücksichtigen zu können. Die
Sozialtheorie Bourdieus gehört zu dieser Auswahl. Sie ist
darauf ausgerichtet, gesellschaftliche
Wandlungsphänomene zu untersuchen, wofür Bourdieu
mehrfach die französische und die algerische Gesellschaft
mit Blick auf die Transformationserfahrung zu einer
kapitalistischen Ökonomie (in Algerien in der Phase der
Dekolonialisierung) in den Blick genommen hat. Weil
Bourdieu damit auch den generationalen Wandel von
Lebensläufen thematisiert, kann seine Theorie dafür
genutzt werden, die vielfältigen empirische Phänomene, die
mit dem zehnten Prinzip des MpR verbunden sind,
einzuordnen.
Ein Beispiel hierzu: Jugendliche aus einem Elternhaus
mit politisch interessierten Eltern reagieren auf politische
Voice-Situationen mit viel Sicherheit. Das gilt vor allem für
Familien mit viel kulturellem Kapital, die aus Deutschland
stammen oder aus politischen Gründen geflüchtete
Menschen gleichermaßen. Sie können Kritikformen mit
etwas verbinden, was in ihren Wahrnehmungs-, Denk- und
Handlungsschematat bereits angelegt ist. Sie filtern aber
auch durch diese bereits vorhandenen Schablonen. Damit
ist die Ausdrucksform »Kritik« eine, die mit
Vorerfahrungen verbunden werden kann.
Dagegen sind Jugendliche, die aus Familien stammen, in
denen die Infragestellung von Autoritäten nie erfolgt ist,
anders voreingestellt. Sie sind habituell nicht auf »Voice«
vorbereitet. Im Gegenteil sogar, sie lehnen Voice häufig
sogar intuitiv ab oder fühlen sich zumindest nicht
»ermächtigt«, an Kritik beteiligt zu sein oder sie zu
initiieren. Das bedingt Unsicherheit im Umgang mit
Protestgruppen, vielleicht auch Abwehr und Fremdscham.
Es bedeutet aber auch Probleme in der Kommunikation und
Rechtfertigung der eigenen Praxis. Man kann sich das