2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/507.md

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Diese »Populisten auf dem Vormarsch« (Leggewie 2019)
schließen an konstruktivistische Methoden an, sie
hinterfragen die Sprecherinnen und Sprecher und
kritisieren, dass eine herrschende Sprache Wirklichkeiten
erzeugt, die Alternativen nicht zulassen.
Hiergegen wendet sich ein erwachender Kritikgeist in
der nachwachsenden Generation. Er geht davon das, dass
Sprache Wirklichkeit schafft (also damit auch durch
Sprache beeinflussbar ist), gleichzeitig aber Wirklichkeiten
auch ohne Sprache existieren. Kinder und Jugendliche
pochen auf ihr Recht, diese Wirklichkeit, die sie als
Naturzerstörung und Gewalt wahrnehmen, zu gestalten
und lebenswert zu machen. Das radikale Infragestellen ist
eine Protestform, die nicht nur daran denkt, dass
Gruppeninteressen formuliert werden, um im Konflikt mit
anderen Gruppen zu konkurrieren. Hier geht es um mehr.
Das Ringen um Klimanachhaltigkeit ist wahrscheinlich nur
der Höhepunkt dieser Infragestellung.
Das Verhältnis von Bewegung und Beharrung
Die »Fridays-for-future« Proteste sind interessanterweise
nicht vorausgesagt worden. Noch als sie einsetzten, waren
sich viele Kommentare darüber einig, dass es ein Verhältnis
zum Aktionismus von kurzer Dauer sein würde. Heute ist
die Diskussion weiter, die Forschung stellt sich auf die
Generation »Z« bzw. »Greta« ein und damit werden auch
Fragen der Theoriebildung neu entfacht. Welche der
theoretischen Perspektiven passt hierzu? Welche kann
erklären, dass jungen Menschen an das gebunden sind,
was sie als gesellschaftliche Bedingungen vorfinden und
gleichzeitig dazu in der Lage sind, Grenzen zu
überschreiten? Wie flexibel sind heutige Strukturen des
Lebenslaufs? Welche Möglichkeiten für das Überschreiten
eines Möglichkeitsraums hat das individuelle Subjekt? Was
bedingt, dass beharrliche gesellschaftliche Strukturen
aufgebrochen werden können?