2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/498.md

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Interview mit einer 15-jährigen Jugendlichen aus dem
Material der SINUS Studien zeigt das sehr deutlich:
»Ich denke sehr sozial. Ich finde Rastalocken schön, ich finde es gut, wie
vegetarische Menschen leben und will das vielleicht selber mal
ausprobieren. Ich achte auch auf meine Umwelt, wenn jemand einen
Becher wegschmeißt, ich so: Heb den bitte auf oder gib ihn mir, ich
schmeiß den in den Müll. Ich will auch Blutspenden gehen, und dieses
Knochenmark will ich auch spenden. Ich will mir auch später einen
Organspendeausweis holen und so etwas. Also, viel für andere leben und
für unsere Welt, damit die erhalten bleibt.« (Calmbach et al. 2016, S. 137)
Der Einfluss des politischen Systems
Die Ergebnisse der SINUS Studie zeigen, dass Jugendliche
auf keinen Fall unpolitisch sind. Vielmehr spiegeln sie eine
Entwicklung, die das Verhältnis zur Politik über alle
Generationen hinweg kennzeichnet. Demokratie als Staatsund Gesellschaftsform wird von der großen Mehrzahl der
Bevölkerung befürwortet, aber die von den politischen
Parteien umgesetzte heutige demokratische Praxis erzeugt
Unbehagen und führt zu einer großen Distanz gegenüber
der parlamentarischen Demokratie. Diese Distanz wächst
an, wenn die eigene Lebenssituation als ungünstig
eingeschätzt wird. In dieser Lebenslage sinkt das
Vertrauen, dass Politik und Parteien eine persönliche
Benachteiligung jemals ausgleichen können (Rippl 2008).
Auf diese Weise stellt sich in breiten Schichten der
Bevölkerung eine Zurückhaltung dem politischen
»Apparat« gegenüber ein. Die Parteien werden als in sich
abgekapselte Systeme wahrgenommen, die nur wenige
persönliche Mitbestimmungsmöglichkeiten eröffnen. Viele
Menschen sind zwar bereit, in Maßen Verantwortung zu
übernehmen und sich für humanistische Ziele und die
Verbesserung von Lebensbedingungen einzusetzen, aber
sie möchten nicht in den Strukturen eines
unübersichtlichen Parteiapparats agieren.