2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/495.md

37 lines
1.9 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Herkunftsland der Eltern Lokalpatrioten. Auch die
autochthonen Deutschen sind in dieser Lebenswelt
patriotisch oder haben zumindest überhaupt kein
Verständnis dafür, dass andere Jugendliche es befremdlich
finden, wenn man Deutschlandfahnen bei Fußballspielen
schwenkt.« (Calmbach et al. 2016, 41)
Man erkennt, dass die Beschreibung Ähnlichkeiten zu
Pierre Bourdieus Theorie zu den milieuspezifischen
Prägungen des Habitus aufweist. In der Tat ist dies kein
Zufall. Bourdieus Beschreibung der Zusammenhänge von
Herkunftsressourcen, Bildungsorientierungen, Lebensstilen
und Mentalitäten ist sehr eng mit dieser Art der
Sozialforschung verwandt. So sind auch die
Beschreibungen im Detail sehr ähnlich. Das Besondere ist
hingegen, dass Bourdieu so detailliert niemals zu den
jugendlichen Lebenswelten geforscht hat. So entsteht ein
erstmaliges Bild davon, wie eng jugendliche Lebensstile an
das gebunden sind, was sie in ihren Herkunftsmilieus
vorfinden. Meistens sprechen wir bei diesen Bindungen an
das Herkunftsmilieu von den Ressourcen der Menschen.
Tatsächlich aber ist dies weit mehr als der Bildungsgrad
oder der Geldbeutel der Eltern. Häufig sind damit
verschiedene Mentalitäten verbunden, selbstverständliches
Wissen oder das Selbstvertrauen und der eigene Status in
der Gesellschaft.
Es lassen sich unterschiedlich stark ausgeprägte
Hemmungen oder Schamgefühle erkennen. Aber auch das
Gegenteil: der lockere Umgang mit den Anforderungen in
der Schule, das übermäßige Vertrauen in sich selbst oder
die Erwartung, dass man einmal eine Führungsposition in
der Gesellschaft übernehmen wird. Dabei gilt wiederum
eine Faustregel. Je mehr Kinder und Jugendliche schon von
Kindesbeinen an die Selbstverständlichkeit erfahren, sich
in »gehobenen« Kreisen der Gesellschaft zu bewegen,
desto einfacher fällt es ihnen, sich später selbst in diesen
Milieus zu etablieren.