2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/489.md

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Der generationale Wandel ist in diese Vielfältigkeit
eingebunden. Man kann beinah sagen, dass die »unruhige«
Zeit des kalten Krieges leichter war zu bewältigen. Sie
bestand aus einer Durchsichtigkeit politischer
Systemunterschiede. Sie kannte gesellschaftliche
Ungleichheiten, die als einfache Schicht- oder
Klassenungleichheiten wahrgenommen wurden, und kannte
Solidarität, die aber national begrenzt wurde. Heute hat
die Komponente der globalen Vernetzung zugenommen.
Menschen agieren global und genau so müssen auch
Sozialisationsprozesse analysiert werden. Eine nationale
und kulturelle Zentrierung von Sozialisationsforschung ist
zwar immer noch dominierend, aber nicht mehr zeitgemäß.
Sozialisationsprozesse in Frankreich, Spanien, Estland,
Russland, Argentinien, Südafrika, Namibia, Saudi-Arabien,
Iran, Neuseeland etc. bieten ständige Vergleichspunkte.
Die Ergebnisse eines solchen relationalen (also
vergleichenden) Vorgehens sind beachtenswert. Es
existieren Ähnlichkeiten, die die Bildungssysteme oder den
Konsumsektor in globaler Perspektive betreffen. Was noch
nicht ähnlich ist, ähnelt sich an. Daneben sind aber auch
Gegenbewegungen zu beobachten. Es existieren
»Brechungen« weltweiter Trends auf der lokalen Ebene.
Trends mögen universal sein, sie treffen aber auf
Bedingungen, die diese Trends sehr unterschiedlich
wirksam werden lassen. Der Trend zur
geschlechtsspezifischen Chancengerechtigkeit hängt von
der gesellschaftlichen Reformfähigkeit traditioneller
Geschlechterbeziehungen ab. Die steigende Bedeutung des
Bildungssektors hängt von der Entwicklung,
konkurrenzorientierter Dienstleistungsökonomien ab. Die
Brechungen von gesellschaftlichen
Standardisierungsprozessen sind vielfältig. Zumeist sind
sie mit dem Erhalt von lokalen Gewohnheiten gegen
Prozesse der Hyperglobalisierung oder mit politischen
Widerständigkeiten gegen Tendenzen der internationalen