2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/479.md

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Köpfen aller Menschen vorhanden ist (und die Dominanz
dieser einen Weltsicht nennt Bourdieu »Doxa«).
Erkennen wir also über Sprache und Kommunikation
bestimmte Beschreibungen von Herrschaftsverhältnissen
an, akzeptieren wir auch die damit verbundenen
Ungleichheitsprinzipien. Aber kann man dagegen
ankommen? Kann man die Akzeptanz verweigern?
»Konversion«, die Umwandlung der Weltsicht, ist für
Bourdieu die Lösung. Mädchen lassen sich nicht mehr auf
die Beschreibung ein, dass sie zurückhaltend sind, Jungen
müssen nicht hart sein, Migrantinnen und Migranten sind
nicht emotionaler und bildungsferne Kinder nicht
ungeeignet für die Schule, weil sie die Verhaltens- und
Sprachcodes der bildungsnahen Familien nicht
beherrschen.
Die Beschreibung der Mechanismen, die Ungleichheiten
befördern und erhalten, und jenen, die Ungleichheiten
unterbrechen und aufheben können, passt zum MpR. Auch
der Modus der produktiven Realitätsverarbeitung geht
davon aus, dass Erfahrungen mit der sozialen Welt und
ihren Klassifizierungsprinzipien das Handlungsrepertoire
anfüllen. Gleichzeitigt heißt produktive
Realitätsverarbeitung aber auch, dass eine »Konversion«
stattfinden kann und sich damit Handlungsoptionen
ändern. Mit Blick auf die hohe Bedeutung sozialer
Ungleichheiten ist diese Umkehroption wichtig. Ein hohes
Ausmaß an sozialer Ungleichheit und Diversität, das zu
Benachteiligungen führt, stellt für eine Gesellschaft ein
Risiko für den Zusammenhalt dar. Die Spaltung in arme
und reiche Bevölkerungsgruppen wird wie die
Unterscheidung in ein mächtiges und ein ohnmächtiges
Geschlecht als ungerecht empfunden und untergräbt das
Gefühl der Zusammengehörigkeit in einem Gemeinwesen.
Alle hochentwickelten Gesellschaften sollten deshalb ein
Interesse daran haben, soziale Ungleichheiten auf ein
möglichst geringes Maß zu reduzieren. Interventionen in