2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/478.md

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Für die intersektionale Perspektive ist ebenso
entscheidend, dass die Ähnlichkeiten zu der Wirkweise
»typischer« sozialer Ungleichheiten erkannt werden. Vieles
von dem, was über die »Übertragung« sozialer
Ungleichheit bisher bekannt ist, trifft auch intersektionale
Ungleichheiten. Pierre Bourdieu hat dazu sehr umfangreich
argumentiert, indem er die Entstehung von Ungleichheiten
mit der Akzeptanz der eigenen Position in einem sozialen
Gefüge in Verbindung bringt.
»Bekanntlich verdankt die soziale Ordnung ihre Beständigkeit zumindest
teilweise der Tatsache, daß sie Klassifizierungsschemata durchsetzt, die
da sie sich den objektiven Klassifizierungen anpassen zu einer
bestimmten Form der Anerkennung dieser Ordnung führen, derjenigen
nämlich, die mit der Verkennung der Willkür ihrer Grundlagen einhergeht:
Die Korrespondenz zwischen objektiven sozialen Gliederungen und
Klassifizierungsschemata, zwischen objektiven sozialen Strukturen und
mentalen Strukturen, ist Grundlage einer Art Ur-Bejahung der bestehenden
Ordnung. Politik beginnt eigentlich erst mit der Aufkündigung dieses für
die ursprüngliche Doxa charakteristischen und unausgesprochenen
Vertrags über die Bejahung der bestehenden Ordnung; mit anderen Worten
Politische Subversion setzt kognitive Subversion voraus, Konversion der
Weltsicht.« (Bourdieu 1990, S. 104)
Bourdieu ist hier besonders deutlich: Benachteiligungen
wirken, weil sie als legitim anerkannt werden; sie gehen
mit Klassifizierungen einher, die sich durchsetzen und auf
die Menschen sich in ihrem Handeln beziehen. Den
Zusammenhang von »Beschreiben und vorschreiben« nennt
Bourdieu dies und meint, dass die soziale Welt, indem sie
Ungleichheiten akzeptiert, quasi-natürliche Gesetze,
Vorgaben und Vorschriften anbietet. Die Realität bietet
viele diesbezügliche Beispiele: Mädchen sind nicht so
analytisch, Jungen sind eher aggressiv und Italiener
heißblütig. Wer diese Beschreibung hört, ist bereits dafür
vorgesehen, Klassifizierungen der sozialen Welt
anzuerkennen. Dies meint die von Bourdieu so bezeichnete
»Ur-Bejahung« der gesellschaftlichen Ordnung, die in