2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/477.md

37 lines
1.7 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Dies mag auf den ersten Blick überraschend sein.
Tatsächlich sind ja selbst wenig verdienende und arme
Menschen in Deutschland zumeist nicht wohnungslos
oder müssen hungern. Trotzdem lehren uns empirische
Erkenntnisse, dass sich Deprivationserfahrungen
(Deprivation wird häufiger psychologisch verwendet
und bezeichnet die Auswirkungen von Mangel und
Verlusten auf eine Person) immer relativ, also in
Vergleichen zu anderen Menschen herstellen. Menschen
machen Vergleiche und stellen dabei fest, dass sie
weniger haben, weniger bekommen oder weniger
können. Diese Vergleichsprozesse sind schon einmal
angesprochen worden, als es um Resilienz gegenüber
hoch belastenden Faktoren der Lebensführung ging, die
das Individuum mit Blick auf das Wohlergehen und die
Gesundheit unterschiedlich stark beeinflussen. Schon
hier ist auf die wegweisenden Untersuchungen der
Gesundheitsforschung hingewiesen worden, die
beinhalten, dass Ungleichheiten krank machen nicht
weil sie Mangel erzeugen, sondern weil sie Menschen
mit der enormen Spanne an Möglichkeiten
konfrontieren, die sie selbst nicht realisieren können
(Wilkinson/Pickett 2010).
Der Umgang mit Ungleichheit und Diversität
Die Annahmen dazu, wie sich soziale Ungleichheiten über
Erziehungs- und Sozialisationsprozesse in der Familie auf
Kinder und Jugendliche übertragen, sind weiterreichend.
Der Ansatz der intersektionalen Ungleichheiten beinhaltet,
dass Ungleichheiten sich in vielen anderen Dimensionen als
nur einer ökonomischen ausprägen können, sich
überlagern und gegenseitig beeinflussen können. Dieses
Verständnis ist wichtig, um in der Debatte über
Gegenmaßnahmen auch die richtigen Hebel bewegen zu
können. Denn: Nur wer Ungleichheiten und ihre
Entwicklung versteht, kann auch dagegen angehen.