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gilt, dass die Milieuherkunft die individuellen Lebens- und
Erziehungsstile nicht ohne Ausnahme vorhersagen kann.
Wie stark der Zusammenhang von Milieu und Erziehung
ist, kann aber nur empirisch beantwortet werden.
Für die weitere Argumentation ist dies ein wichtiger
Ansatzpunkt. Bisher ist nur darauf verwiesen worden,
Sozialisationsräume nicht aus ihrer Verankerung im
sozialstrukturellen Gefüge herausgelöst werden können
(hierzu auch Bauer/Vester 2015). Im Folgenden sollen für
diese Annahme, die in der ungleichheitsorientierten
Sozialisationsforschung immer noch eine große Rolle spielt,
auch weiterhin Erkenntnisse empirischer Forschung
herangezogen werden.
Soziale Ungleichheit und Erziehungsstile im Ansatz von Annette Lareau
Der wohl prägnanteste Versuch, die
Ungleichheitsperspektive mit Sozialisations- und
Erziehungsarrangements zu verbinden, erfolgte durch die
US-amerikanische Soziologin Annette Lareau (geb. 1952).
Lareau (2003) untersucht Erziehungspraktiken und Muster
der Eltern-Kind-Interaktion in sozial differenzierten Milieus
(»Unequal Childhoods«). Lareaus Methode der Vergleich
zwischen Arbeiter- und Mittelschichtsfamilien zeigt klare
Mentalitätsunterschiede, die sich in den Praktiken der
Kindererziehung reproduzieren. Das Besondere ist dabei,
dass die Unterschiede durch teilnehmende Beobachtung
(die Anwendung der ethnografischen Methode) erfasst
werden. Damit werden vor allem solche Ungleichheiten im
Erziehungsverhalten relevant, die unterschiedliche,
zumeist symbolische Praktiken (wie etwa die
Aufmerksamkeitszuwendung und die Bestrafung durch
Nicht-Beachtung) repräsentieren, die in einer sonst
typischen standardisierten Befragung (so mit der
Fragebogenmethode) nicht erfasst werden können.
Lareau bestätigt mit ihren Untersuchungen ein
traditionelles Muster der ungleichheitsorientierten