2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/470.md

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Zusammenhang zwischen ungleichen Lebensbedingungen,
Mentalitäten und Erziehungsstilen geworfen. Gleichzeitig
könnte in diesem Zusammenhang auch eine Ursache für
die Reproduktion von Ungleichheitslagen begründet sein.
Dennoch bleiben diese Erkenntnisse in der
Forschungsdiskussion nicht unwidersprochen. Choi selbst
rekurriert darauf, dass es fraglich ist, wie homogen die
Erziehungsstilmuster in den einzelnen Milieus anzunehmen
sind. Die Empirie kann für eine starke
Homogenitätsannahme auf Grundlage der SINUS-Milieus
keine ausreichenden Hinweise bieten (Choi 2009). Die
Milieuperspektive lässt in der vorgestellten Form also nur
erste Anknüpfungspunkte für die weitere Diskussion
erkennen.
Die empirische Beschreibbarkeit (das, was in der
Forschung als »Operationalisierung« einer Theorie
bezeichnet wird) von Lebens- und Umweltbedingungen, die
an sozial-ökologische Prämissen anschließbar ist, scheint
also nicht ohne Schwierigkeiten zu sein. Zumindest muss
die Annahme vorsichtig eingesetzt werden, dass
sozialisatorische Einflüsse mit der hierarchischen Struktur
ungleicher Lebensbedingungen im Erwachsenenalter
identisch seien. Vorstellungen über die Sozialisation von
Kindern und Jugendlichen als direkter Spiegel der
elterlichen Lebensbedingungen ist als funktionalistisches
Erbe der Soziologie (im Sinne der Theorie von Parsons, die
bereits vorgestellt wurde) in der Sozialisationsforschung
anzusehen. Der Vorwurf an diese Perspektive ist, dass sie
der Vorstellung »eigenständiger« Lebenswelten der
Heranwachsenden keinen Raum lässt.
Muster der intersektionalen Differenzierung verweisen
dennoch auf die Bedeutung von Lebensstil- und
Mentalitätsmustern Lebenswelten von Kindern und
Jugendliche, die mit der Verteilung des ökonomischen und
kulturellen Kapitals im Herkunftsmilieu zusammenhängen
(Büchner/Brake 2006; Kramer/Helsper 2010). Auch hier