36 lines
1.8 KiB
Markdown
36 lines
1.8 KiB
Markdown
mehr »Stress« mit der Akkulturation (im Sinne der
|
|
Anpassung an eine neue Kultur) verbunden ist, desto
|
|
geringer ist eine Akkulturationsbereitschaft. Diese
|
|
Stresssymptome treten notwendig ein, wenn Migration
|
|
stattfindet, sie können aber verlängert werden, wenn
|
|
Akkulturation auf hohe Hürden trifft. Dann
|
|
verbarrikadieren sich auch die Minderheiten hinter einer
|
|
Tendenz zur Vereinheitlichung. »Stillschweigend wird hier
|
|
eine Homogenität der Mehrheitsgesellschaft und ihrer
|
|
Leitwerte sowie eine Einheitlichkeit der Minderheiten und
|
|
ihrer familialen Orientierungen unterstellt, die so jedoch
|
|
kaum gegeben ist.« (Uslucan 2011, S. 43)
|
|
Heute wird mehr und mehr und mehr öffentlich
|
|
diskutiert, dass die Integrationsfähigkeit gerade
|
|
türkeistämmiger Zuwanderer viel höher ist als es in der
|
|
öffentlichen Diskussion wahrgenommen wird. Der
|
|
Soziologe Aladin El-Mafaalani (geb. 1978) spricht
|
|
diesbezüglich von einem »Integrationsparadox« (ElMafaalani 2018), weil erst in der Jetztzeit offen thematisiert
|
|
wird, was unterhalb der Schwelle der öffentlichen
|
|
Wahrnehmung über Jahre hinweg, über ein bis zwei
|
|
Generationen auf dem Rücken von Migrantinnen und
|
|
Migranten ausgetragen wurde. Es darf nicht unterschätzt
|
|
werden, mit welcher Macht die Folgen eines solchen
|
|
Missverstehens, wie sie El-Mafaalani und Uslucan
|
|
beschreiben, auf gesellschaftliche Beziehungen und das
|
|
Austarieren von Normen durchschlagen. Uslucan hat
|
|
Recht, wenn er eine intersektionale Perspektive verlangt,
|
|
die den sehr differenzierten Lebensbedingungen von
|
|
Menschen Rechnung trägt und in der Migration und
|
|
Ethnizität eine wichtige, aber nicht die einzige Bedingung
|
|
für die Ausprägung von Diversität darstellen.
|
|
Im Zusammenhang mit der Sozialtheorie Bourdieus ist
|
|
schon einmal auf das Verhältnis von »Fremdeliminierung«,
|
|
also der Aussortierung durch Andere, und
|
|
»Selbsteliminierung«, als Rückzugsverhalten
|