2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/460.md

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Etikettierung seiner Person ebenso leicht, wie sie
vorgenommen wurde, wieder neutralisieren kann. Dabei
verweisen die Erkenntnisse, die wir einer
sozialisationstheoretischen Perspektive zuordnen, auf die
genaue Gegentendenz. Mentalitätsmuster ethnischer
Gruppen sind enorm variabel. Die Anpassung an
veränderte kulturelle Räume (also Kontexte) erfolgt sehr
schnell (Zick 2010) und die Sozialprofile (ökonomisches,
kulturelles und soziales Kapital) sind viel bedeutsamer für
die Ausprägung einer spezifischen Mentalität als
angenommene »natürliche« (und damit feststehende und
unbewegliche) Merkmale einer Gruppe.
Von hier aus eröffnet sich ganz notwendig die
Problematisierung dessen, was als ethnische Diversität
diskutiert wird. Ihre Thematisierung ist aus der
Ungleichheitsperspektive lohnenswert, weil ethnische
Zuschreibungen auch als eigenständige Quelle von
Benachteiligungen wirken können. Ethnische
Marginalisierung, der Ausschluss aufgrund von
Gruppenzugehörigkeiten, Diskriminierung und Rassismus
sind Bestandteil der Erfahrungen vieler Gruppen, die von
außen als migrantisch geprägt definiert werden.
Der Psychologe und Migrationsforscher Hacı-Halil
Uslucan (geb. 1965), der u. a. als Mitglied der
Fachkommission der Bundesregierung zu den
Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit tätig ist,
erörtert eine Zangensituation, in der sich Menschen mit
Migrationshintergrund befinden. »Dabei und doch nicht
mittendrin. Die Integration türkeistämmiger Zuwanderer«
(Uslucan 2011) thematisiert Ausgrenzungs- und
Stigmatisierungserfahrungen wie etwa auf dem
Wohnungsmarkt, wenn ein ausländischer Name bereits ein
Ausschlusskriterium ist, oder in der Schule, wenn
kollektive Stigmata auf einzelne Personen angewendet
werden. Zum anderen gibt es Gegen- und
Abgrenzungsbewegungen innerhalb der Minderheit. Je