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»Von Geburt an (und heute aufgrund einer hochentwickelten pränatalen
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Diagnostik vermehrt bereits davor) werden als männlich oder weiblich
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identifizierte Individuen mit den hegemonialen Geschlechternormen (für
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beide Geschlechter) konfrontiert, durch die gesellschaftlich-kulturellen
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Verhältnisse, in denen sie leben, die Erwartungen und Verhaltensweisen
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der Personen, mit den sie alltäglich zu tun haben, die Institutionen, in
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denen sie sich aufhalten (Kindergrippe, Schule) und nicht zuletzt durch die
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Medien (Werbung, Kinder- und Schulbücher, Filme, Internet) […]. Sie
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lernen nach und nach die damit verbundenen Verhaltensweisen,
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Körperpraxen und Gefühlsweisen, aber auch Berufs- und
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Lebensperspektiven kennen und beziehen sie auf ihr »eigenes« Geschlecht.
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So erfahren sie – verstärkt durch Praxen der Anerkennung und
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Sanktionierung –, welche Verhaltens- und Darstellungsweisen als Junge
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respektive Mädchen für sie selbst und andere angemessen und normal sind
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oder nicht. Sie entwickeln die Kompetenz, andere unmittelbar als Mann
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oder Frau zu identifizieren und zu wissen, wie sie agieren und sich
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darstellen müssen, um in ihrem Geschlecht (an)erkannt zu werden, sozial
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intelligibel zu sein. Allemal ist gerade in jungen Jahren, aber nicht nur
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dann, das Begehren nach Anerkennung und damit nach Konformität sehr
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ausgeprägt. Das Herstellen von Eindeutigkeit ist dafür, wie angesprochen,
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eine zentrale Norm, die erfüllt werden muss.« (Maihofer 2015, S. 649 f.)
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Geschlechtsspezifische Muster der Lebensführung
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Mit Blick auf die Wirkung von Sozialisationsprozessen auf
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die Persönlichkeitsentwicklung ist es geradezu beispielhaft,
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wie sich Geschlechts- bzw. Genderunterschiede auswirken.
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Es existieren in den meisten industriell entwickelten
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Ländern Lebenserwartungsunterschiede (Frauen leben
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hierzulande durchschnittlich fünf Lebensjahre länger), von
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denen angenommen wird, dass sie mit
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geschlechtsspezifischen Verhaltensmustern
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zusammenhängen (Erhart/Hurrelmann/RavensSieberer 2008). In den letzten rund vier Jahrzehnten lässt
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sich aus sozialwissenschaftlichen Studien ablesen, dass vor
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allem Frauen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter
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intensivere Bemühungen als Männer unternehmen, um sich
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aktiv auf die gegenwärtigen Anforderungen in allen
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Lebensbereichen einzustellen und ein flexibles Verständnis
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ihrer Geschlechtsrolle zu entwickeln. Die jungen Frauen
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streben an, ihren Dispositionsspielraum zu vergrößern und
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