2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/452.md

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eher typisch weibliche und typisch männliche Muster der
produktiven Realitätsverarbeitung durch.
Es lässt sich nicht immer genau unterscheiden, was an
diesen Vorgaben für die Rollengestaltung von Frauen und
Männern anlage- und was umweltbedingt ist.
Forschungsrichtungen wie die Gendermedizin gehen zwar
auch von biologischen Unterschieden aus, die bestimmte
biochemische Prozesse des Körpers geschlechtlich
unterscheidbar machen (und relevant sind z. B. bei der
Medikamenteneinnahme). Die enorme Variabilität, die
»typisch« männliche und weibliche Verhaltensweisen
aufweisen (allein, wenn man auf die Umwälzungen der
Geschlechtsrollen in den vergangenen fünfzig Jahren
schaut), deuten jedoch auf den weit höheren Anteil an
konstruierten, also von der Umwelt (einschließlich der
primären, sekundären und tertiären
Sozialisationsinstanzen) erwarteten und durch die Umwelt
stimulierten Verhaltensweisen hin. Die angeborene
genetische Ausstattung, die die Unterschiede in Körperbau
und Organen bedingt, wird durch kulturelle Vorstellungen
von Männlichkeit und Weiblichkeit »überformt«.
Die Differenz der Geschlechter ist zu einem erheblichen
Teil durch solche sozialen Einflüsse bedingt. Viele
geschlechtsspezifischen Persönlichkeitsmerkmale und
Verhaltensweisen sind offensichtlich erlernt und werden im
Verlauf des Sozialisationsprozesses herausgebildet. Die
genetische Ausstattung und die Anlage der
Persönlichkeitsmerkmale dienen dabei nur noch als
Ausgangslage und als Möglichkeitsraum für die
geschlechtsspezifische Entfaltung. Die geschlechtliche
Sozialisation ist somit keinesfalls nur ein Akt der
Unterwerfung, der mit Zwang hergestellt wird.
Geschlechter werden angewählt, sie entwickeln eine
Attraktivität und sind Möglichkeiten der Welterschließung,
der Anerkennung und Teilhabe: