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Geschlechtliche Sozialisation
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Die Geschlechterforscherin Andrea Maihofer (geb. 1953)
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beschreibt sehr anschaulich, dass sich heutige Annahmen
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zur Entstehung der Geschlechter gegen den Essentialismus
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(die Annahme fester Geschlechtszuordnungen, die sich zum
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Beispiel aus der Biologie ableiten lassen) und die
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Zweigeschlechtlichkeit wenden (die Aufteilung lediglich in
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das weibliche und männliche Geschlecht). »Wird von
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Individuen als von Frauen oder Männern, als männlich oder
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weiblich gesprochen, bedeutet das also nicht zwangsläufig,
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sie seien idealtypisch. Es impliziert lediglich, dass die
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Individuen soweit den herrschenden Normen von
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Weiblichkeit oder Männlichkeit entsprechen, dass sie als
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Frauen und Männer erkennbar, intelligibel sind und als
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solche anerkannt werden.« (Maihofer 2015, S. 648)
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Wird also eine Form der geschlechtlichen Diversität in
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der Realitätsverarbeitung angenommen, heißt das
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zunächst, dass Gesellschaften ihre Mitglieder nach
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bestimmten Merkmalen unterschiedlichen Gruppen
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zuordnen. Eine besonders typische Zuordnung ist die nach
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Geschlecht, wobei binär (also zweiseitig) unterschieden
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wird. Die Annahme feststehender Merkmale von Menschen,
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die einer solchen »definierbaren« Gruppe angehören,
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unterliegt einer sozialen Konstruktion. Diese legt einen
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Bereich von erwarteten Verhaltensweisen und Mustern für
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die Bewältigung lebenslaufspezifischer Herausforderungen
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fest. Weiblichkeit und Männlichkeit werden gelebt und
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individuell hergestellt, indem ein Mann oder eine Frau mit
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der jeweils angelegten physiologischen Ausstattung, der
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körperlichen Konstitution, den psychischen
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Grundstrukturen und den zugeschriebenen Erwartungen
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individuell arbeitet und diese mit der sozialen und
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physischen Umwelt in eine Passung bringt (»doing
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gender«). Trotz aller Spielräume bei der individuellen
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Ausgestaltung setzen sich darum im Alltag immer noch
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