2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/444.md

37 lines
1.8 KiB
Markdown

Position einzelner Bevölkerungsgruppen im
gesellschaftlichen Gefüge der Hierarchie ein. Die Einflüsse
von kulturellen, sozialen und ökologischen Bedingungen
wurden übersehen oder zu wenig beachtet, oft auch die von
Subkulturen mit ihren kontextuellen und kompositorischen
Parametern wie etwa jugendlicher Gleichaltrigengruppen,
der Familien- und Geschwisterkonstellation sowie der
Schul-, Nachbarschafts- und Wohnumwelt, ebenso die von
Erziehungsstilen und Bildungspotenzialen (Choi 2012). Auf
dieses Defizit wiesen schon 1980 Dieter Geulen und Klaus
Hurrelmann hin: Um den vollständigen
Strukturzusammenhang der gesellschaftlichen
Sozialisationsbedingungen erfassen zu können, sollten die
»horizontale, kontextuelle Einbettung der einzelnen
Momente innerhalb jeder Betrachtungsebene, technisch
gesprochen die Kovarianzen und die Interaktionseffekte
zwischen ihnen, berücksichtigt werden«
(Geulen/Hurrelmann 1980, S. 56).
Inzwischen ist die Mehrdimensionalität der
Sozialisationsfelder, Sozialisationsinstanzen und Wirkungen
sorgfältig erforscht und wird die Fokussierung auf
Kovarianzen und Interaktionseffekte mit dem Einfluss
sozialökologischer Modellvorstellungen in Verbindung
gebracht (Grundmann/Lüscher 2000). Ein besonderer
Schwerpunkt der sozialökologischen Forschung liegt auf
dauerhaften und alltäglichen (Sozialisations-)Kontexten, in
denen Menschen interagieren, ohne dass sie von
abstrakten Einflüssen wie der Schichtzugehörigkeit
Kenntnis nehmen. Diese Einschätzung zehrt insbesondere
davon, dass die Menschen selbst ihre persönliche
Lebenslage nicht als »klassentypisch« oder
»schichtkonform« beschreiben. Die Vorstellung, dass keine
»klassentypischen« oder »schichtkonformen«
Lebenswelten existieren, wird allerdings seit geraumer Zeit
kritisch gesehen. Dagegen spricht, dass ungleiche
Sozialisationsbedingungen in der konkreten Nahumwelt