37 lines
1.7 KiB
Markdown
37 lines
1.7 KiB
Markdown
Die Ungleichheit von Sozialisationsprozessen
|
||
|
||
Zu der Bedeutung intersektionaler Ungleichheiten existiert
|
||
inzwischen eine breite Palette empirischer Forschung.
|
||
Diese betont, dass in entwickelten
|
||
Dienstleistungsökonomien wie Deutschland der
|
||
durchschnittliche Lebensstandard der Bevölkerung und
|
||
damit ihr materieller Wohlstand ebenso wie ihr subjektives
|
||
Wohlbefinden einschließlich der Gesundheit immer weiter
|
||
anwächst, aber gleichzeitig die Unterschiede im
|
||
Lebensstandard zwischen den sozial privilegierten und den
|
||
benachteiligten Gruppen der Bevölkerung zunehmen, sich
|
||
also die Lebenschancen in der Gesellschaft polarisieren.
|
||
In der Perspektive einer solchen sozialstrukturellen
|
||
Polarisierung (Groh-Samberg 2019) lassen sich kontextuelle
|
||
und kompositorische Differenzierungen in der Gesellschaft
|
||
unterscheiden. In dem Eingangsbeispiel des jungen
|
||
Mannes in einer U-Bahn-Station wurde auf diese
|
||
Unterscheidung bereits hingewiesen. Zur Erinnerung
|
||
hierzu: Kontextuelle Faktoren betreffen die materielle
|
||
Ausstattung, die symbolische Besetzung und Normierung
|
||
eines Raumes, in dem Menschen handeln. Kompositorische
|
||
Faktoren bezeichnen die Zusammensetzung der Gruppe,
|
||
denen Menschen angehören oder in denen sie handeln.
|
||
Beide Dimensionen – Kontexte (als Umwelten, soziale und
|
||
räumliche Bedingungen) und Kompositionen
|
||
(Gruppenzusammensetzungen) – bilden bereits
|
||
Operationalisierungen dessen, was wir als Ungleichheiten
|
||
verstehen.
|
||
Die Diagnose einer sozialstrukturellen Polarisierung
|
||
beinhaltet in diesem Kontext, dass die Unwucht zwischen
|
||
den sozialen Lebenslagen in den vergangenen drei
|
||
Jahrzehnten auch in den reichen Ländern zunimmt. Die
|
||
Sozialstruktur- und Ungleichheitsforschung hebt
|
||
horizontale und vertikale Muster der Ungleichheiten
|
||
hervor, stellt den hoch entwickelten westlichen
|