2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/436.md

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Die Mehrheit stellt sich Sinngebungs- und Wertemuster
nach persönlichen Vorstellungen zusammen oder ist
areligiös. Die Religionsgemeinschaften erreichen mit dem
eigentlichen Kern ihrer inhaltlichen Botschaft auch nur
noch kleine Teile der Bevölkerung. Bei der Mehrheit
herrscht religiöse Unsicherheit, Gleichgültigkeit oder ein
unpersönliches Gottes- oder Glaubensverständnis vor.
Parallel wächst die Gruppe der Menschen, die sich als
Atheisten bezeichnen. Entsprechend wächst auch der
Anteil unter Jugendlichen, die von sich behaupten, dass der
Glaube an Gott immer weniger wichtig ist. Sagten in den
SHELL Erhebungen im Jahr 2002 noch über 50 Prozent der
Jugendliche, dass der Gottesglaube ihnen wichtig sei, sind
es in der letzten Erhebung im Jahr 2019 nur noch unter 40
Prozent. Interessanterweise ist die noch anders bei
muslimischen Jugendlichen: Für 73 Prozent von ihnen ist
der Gottesglaube wichtig. Ähnliche Muster zeigen sich bei
der Religionsausübung. Nur 18 Prozent der katholischen,
13 Prozent der evangelischen, aber 60 Prozent der
muslimischen Jugendlichen beten mindestens einmal pro
Woche (Hurrelmann et al. 2019).
Vor diesem Hintergrund der Emanzipation von Tradition
und Glaube werden Religionsgemeinschaften von vielen
Jugendlichen zwar immer noch als gesellschaftliche
Instanzen der Wertsetzung grundsätzlich akzeptiert, um
wichtige persönliche und biografische Lebensschritte und
Krisen einordnen und begleiten zu können. Ihre konkrete
Bedeutung für die Gestaltung des täglichen Lebens, die
Auseinandersetzung mit Alltagskonflikten, die Bewältigung
lebenslaufspezifischer Anforderungen oder den Aufbau
einer Ich-Identität ist aber begrenzt. Trotzdem befindet
man sich heute nicht in der Situation des Bruches mit den
religiösen Werten vorheriger Generationen, sondern in der
Phase des Übergangs. 69 Prozent der Jugendlichen finden
es daher gut, dass es die Kirche gibt (75 der katholischen,